Verirrte Wanderer werden von Flüchtlingen bewirtet

Kawa Suliman (Mitte) bewirtete mit seinen Freunden verirrte deutsche Wanderer, die die Flüchtlingsunterkunft für ein Gasthaus hielten.
Kawa Suliman (Mitte) bewirtete mit seinen Freunden verirrte deutsche Wanderer, die die Flüchtlingsunterkunft für ein Gasthaus hielten.
© dpa, Nicolas Armer

18. Dezember 2015 - 12:30 Uhr

Erst als sie nach der Rechnung fragten, wurde ihnen der Irrtum bewusst

Was für eine schöne vorweihnachtliche Geschichte: Der Flüchtling Kawa Suliman (30) aus Syrien hat in Bayern spontan zwei Ausflügler bewirtet. Diese hatten ein Heim für Asylbewerber für ein Gasthaus gehalten.

Vor einigen Monaten war das Paar in die Unterkunft gekommen. Sie waren der Meinung, der ehemalige Gasthof im oberfränkischen Zapfendorf sei noch in Betrieb - tatsächlich leben hier längst Asylbewerber. "Ich sagte: Kommen Sie herein, machen Sie es sich bequem, fühlen Sie sich wie zu Hause", schilderte Suliman die Szene, über die die Zeitung "Fränkischer Tag" berichtet hatte.

Das Paar aus Karlsruhe war demnach zum Kanufahren in die Region gekommen und hatte nach einem Ausflug am Nachmittag ein Lokal gesucht. Sie hielten die Flüchtlingsunterkunft für eine Wirtschaft, wie die 68 Jahre alte Frau der Zeitung sagte. "Der junge Mann, der nach unseren Wünschen fragte, war so nett - so nette junge Gastronomen muss man doch unterstützen."

Die Asylbewerber um Kawa Suliman tischten den Gästen spontan Brot, Marmelade, Eier, Käse und Tee auf: "Wir stellten den Tisch voller Essen." Erst als der Mann nach der Rechnung fragte, stellte sich heraus, dass das hungrige Paar in einer Flüchtlingsunterkunft gelandet war. Sie sei zu Tränen gerührt gewesen angesichts der Gastfreundschaft der Migranten, erzählte die Frau der Zeitung.

Auch Kawa Suliman erinnerte sich daran: "Die Frau hat geweint." Dabei sei es für ihn und seine Mitbewohner selbstverständlich gewesen, den beiden hungrigen Menschen zu helfen. Einige Tage später kam eine Postkarte mit Dankesworten im Asylbewerberheim an. Die Flüchtlinge wollen sich jetzt revanchieren - und zu Weihnachten eine Karte nach Karlsruhe schicken.