Mit der Wirtschaftskrise kam die Verhütungskrise

Venezuelas Teenager werden ungewollt schwanger

24. August 2019 - 11:04 Uhr

Über 80 Prozent der Venezolaner leben in Armut

Die Wirtschaft der Öl-Nation Venezuela liegt am Boden. Obwohl das südamerikanische Land über die größten Ölreserven der Erde verfügt, leben mehr als 80 Prozent der Menschen in Armut. Schuld ist nicht nur der Verfall des Ölpreises, sondern auch Misswirtschaft und Korruption. Folge der Wirtschaftskrise: Vor allem Hunger, aber auch zahlreiche ungewollte Schwangerschaften. Denn es mangelt an Verhütungsmitteln in dem sozialistisch regierten Staat.

Kondome zu teuer, die Pille kaum zu beschaffen

Nicolas Maduro, Präsident Venezuelas
Venezuelas Präsident Nicolas Maduro.
© REUTERS, Manaure Quintero, /FW1F/Lisa Shumaker

Eine Umfrage unter 151 venezolanischen Apotheken im Jahr 2018 ergab, dass Verhütungsmittel wie Hormonpflaster überhaupt nicht beschafft werden konnten und andere wie Antibabypillen nur schwer. Kondome sind das am weitesten verbreitete Verhütungsmittel, für viele Venezolaner aber zu teuer. Eine Alternative könnten Hormonimplantate sein, nur: Sie stehen nicht annähernd in der benötigten Stückzahl zur Verfügung, wie unser Video zeigt.

Zwar erlaubt Präsident Nicolas Maduro inzwischen die Einfuhr von Hilfsgütern, aber ein Großteil der internationalen Hilfsgelder floss bislang in Lebensmittel und Medikamente. Nur ein kleiner Teil kam der reproduktiven (= auf die Fortpflanzung bezogene) Gesundheit zugute.

Ein Viertel aller Geburten von Müttern im Teeniealter

Vom Mangel an Verhütungsmitteln sind nicht zuletzt Teenager betroffen. Von der Regierung gibt es seit Jahren keine offiziellen Zahlen, aber unabhängige Gesundheitsorganisationen und Frauenrechtsgruppen behaupten, dass bis zu 28 Prozent der Geburten in Venezuela auf Frauen unter 20 Jahren entfallen. Eine Studie von vier Krankenhäusern 2018, derzufolge über ein Viertel aller Geburten von Müttern im Teenageralter stammen, stützt diese These.