3. Juli 2019 - 15:49 Uhr

Mitarbeiter spricht von „tickender Zeitbombe“

In den Flüchtlingslagern an der US-Grenze zu Mexiko herrschen teilweise verheerende Zustände. Das prangert die interne Aufsicht des US-Heimatschutzministeriums an. Die Behörde warnt vor gefährlicher Überfüllung. Die Menschen würden häufig zu lange festgehalten, die hygienischen Zustände seien alarmierend.

Feuchttücher statt Dusche

In den Lagern werden Migranten nach dem illegalen Grenzübertritt aus Mexiko in die USA festgehalten. Fünf davon wurden jetzt unter die Lupe genommen. Resultat: Die meisten Erwachsenen, die bis zu einem Monat in den Lagern seien, hätten in der ganzen Zeit nicht duschen können. In manchen Einrichtungen seien Feuchttücher für die persönliche Hygiene verteilt worden, so der Bericht.

Die meisten Migranten würden die Kleidung tragen, mit der sie angekommen seien. Viele hätten nur Sandwiches zu essen bekommen. In drei Einrichtungen hätten Kinder keinen Zugang zu Duschen gehabt. In zwei Lagern hätten Minderjährige keine warmen Mahlzeiten bekommen, sondern Sandwiches oder Snacks.

826 der 2.669 Kinder in den inspizierten Einrichtungen seien länger als 72 Stunden festgehalten worden. Innerhalb dieser Frist müssen Kinder in die Obhut des US-Gesundheitsministeriums übergeben werden.

Zellen so voll, dass die Menschen nur stehen können

Customs and Border Protection (CBP) Mobile Field Force and Special Response Team members are seen at Paso del Norte border crossing bridge as part of the security measures put in place after migrants from Cuba protested early Monday to demand quickne
Martialisch gesicherte Grenze zwischen USA und Mexiko bei Ciudad Juárez.
© REUTERS, JOSE LUIS GONZALEZ, TB

Der Bericht enthält Fotos, die völlig überfüllte Zellen zeigen. In einer Einrichtung seien die Zellen so voll gewesen, dass die Menschen darin nur stehen konnten. Ein Mitarbeiter nannte die Situation in den Lagern eine "tickende Zeitbombe".

Viele der Migranten stammen aus Guatemala, El Salvador oder Honduras. Die Zahl der Flüchtlinge hatte zuletzt deutlich zugenommen. In den acht Monaten zwischen Oktober 2018 und Mai 2019 wurden US-Angaben zufolge mehr als 676.000 Menschen aufgegriffen. Das sind etwa doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.

Wegen der vielen illegalen Grenzübertritte hatte US-Präsident Donald Trump Mexiko im Juni mit der Androhung von Strafzöllen dazu gezwungen, härter gegen Migranten vorzugehen.