Verheerende Dürre an der US-Westküste: Kalifornier stehen "Todesängste" aus

27. August 2014 - 12:00 Uhr

Trinkwasserversorgung von 40 Mio. US-Bürgern gefährdet

Eine beispiellosen Dürre sucht Kalifornien heim und beunruhigt viele Bewohner des US-Bundesstaates. "Wir stehen Todesängste aus", sagt der Mandel-Farmer David Phippen. "Es wird richtig schlimm, wenn es im kommenden Winter zum vierten Mal nicht regnet", prophezeit der 64-Jährige. Dabei ist die Lage bereits jetzt weitaus bedrohlicher als die meisten ahnen.

Dürre in Kalifornien
Solche Bilder haben in Sacramento Seltenheitswert: Wasserverschwendern drohen in der kalifornischen Hauptstadt saftige Geldbußen.
© REUTERS, MAX WHITTAKER

Sinkende Grundwasser- und Flusspegel bedrohen nicht nur die Landwirtschaft im 'Golden State', sondern auch die Trinkwasserversorgung von 40 Millionen US-Bürgern ist bedroht, berichtet unser USA-Korrespondent Peter Kleim.

Die Meteorologen sprechen von der schlimmsten Dürre nach Trockenkatastrophen um 1923 und Ende der 1970er Jahre. Besonders schlimm trifft es das Tal in der Mitte des Westküstenstaates, wo es im Sommer bis zu 40 Grad heiß wird. In ausgedörrten Vorgärten im Central Valley finden sich zuhauf 'Pray-for-Rain'-Schilder ('Betet für Regen').

"Brunnenbohrer sind auf acht Monate ausgebucht"

Dürre in Kalifornien
'Pra-for-Rain'-Schilder haben in kalifornischen Vorgärten Hochkonjunktur.

Auf einer Länge von 700 Kilometern wird an der US-Westküste Obst und Gemüse produziert. 80 Prozent aller Mandeln der Welt kommen aus dem Central Valley. Mehr als 40 Milliarden Dollar bringen der Verkauf der Agrarprodukte aus dem 'Golden State' jährlich ein. Natürlich nur mit künstlicher Bewässerung.

Rund ein Drittel seiner Ernte verkauft Mandel-Farmer Phippen übrigens nach Deutschland. In Kalifornien boomt der Anbau. Mandeln sind dank hoher Verkaufspreise lukrativ, aber auch extrem durstig. Ein einziger Baum braucht an einem heißen Sommertag bis zu 300 Liter Wasser.

Da an der Oberfläche immer weniger Wasser zu finden ist und zudem der Grundwasserspiegel weiter abfällt, müssen die Bauern immer tiefer graben, um an Wasser zu kommen. "Brunnenbohrer sind auf acht Monate hin ausgebucht", erzählt Michael Cockrell, Chef der Notdienstzentrale im Bezirk San Joaquin County.

Wegen der akuten Wasserknappheit geht der Bundesstaat mit harten Strafen gegen Verschwender vor. So dürfen in Kalifornien ab sofort keine Bürgersteige und Einfahrten mehr mit dem Gartenschlauch abgespritzt oder Grünflächen so stark bewässert werden, dass überschüssiges Wasser ablaufen kann. Verstöße gegen die neuen Auflagen können 500 Dollar Strafe pro Tag kosten. Mindestens 20 Prozent ihres Wasserbrauchs sollen die Bürger einsparen.

Die Maßnahmen gehen sogar soweit, dass in der Hauptstadt Sacramento einen Hotline eingerichtet wurde, bei der Nachbarn Wasserverschwender melden können. "Die Zahl der Anrufe ist drastisch gestiegen", berichtet ein Sprecher der Wasserbehörde Sacramento. "Seit Januar gingen mehr als 10.000 Anrufe ein, verglichen mit knapp 1.000 im vorigen Jahr."

Umdenken im Umgang mit der kostbaren Ressource ist also gefragt. Und einige Wassersparer gehen dabei voran: Mit dem Slogan "Gold ist das neue Grün" werben sie für vertrockneten Rasen, der goldfarben statt braun sein soll.