Australien hat ein Pyromanen-Problem

Verheerende Buschfeuer: Die Hälfte der Brände sind vorsetzlich gelegt

Menschen helfen den Tieren in Not, doch oftmals waren es Menschen, die die Not erst herbeigeführt haben.
© dpa, David Mariuz, nwi

07. Januar 2020 - 16:04 Uhr

Sind die Feuer menschengemacht?

Bilder von verbrannten Tieren und brennenden Bäumen in Australien verfolgen uns mittlerweile täglich in allen Medien. Oft wird der Zusammenhang mit dem Klimawandel geknüpft. Es sollte aber nicht verschwiegen werden, dass laut einer Studie etwa 50 Prozent der Buschfeuer durch Brandstiftung entstehen.

31.000 gelegte Brände

Gründe für die Buschbrände
Gründe für die Buschbrände
© RTL

Das Australische Institut für Kriminologie hat in einer Untersuchung von 2008 durchschnittlich 54.000 Brände pro Jahr gezählt. Der Studie zufolge waren 13 Prozent der Feuer vorsätzlich gelegt worden, weitere 37 Prozent waren zumindest verdächtig, absichtlich gelegt worden zu sein. Dr. Paul Read vom Nationalen Australischen Zentrum für Buschfeuer und Brandstiftung nennt sogar eine noch höhere - und stetig steigende - Zahl von 62.000 Waldbränden jährlich. Legt man die Ursachen der Studie von 2008 zugrunde, wären insgesamt 31.000 Feuer von Menschen absichtlich gelegt.

85 Pyromanen täglich

07.01.2020, Australien, Melbourne: Ein Wandgemälde, das den australischen Premierminister Morrison inmitten von Buschfeuerflammen zeigt ist in Tottenham zu sehen. Morrisons Umgang mit der australischen Buschfeuer-Krise wurde zusammen mit der Untätigk
Ein Wandgemälde in Melbourne zeigt den australischen Premierminister Scott Morrison inmitten von Buschfeuerflammen.
© dpa, James Ross, nwi

Darin ist nicht eingerechnet die Zahl der versehentlich oder durch Leichtsinn entfachten Feuer, die 35 Prozent der Gesamtsumme ausmacht. Das sind Brände, die beispielsweise durch unbeaufsichtigte Barbeques oder Funken einer Kettensäge, entstehen. Man kann also sagen, dass jeden Tag 85 Brände durch australische Feuerteufel gelegt werden.

Wer sind die Feuerteufel?

Die Hälfte dieser mutmaßlich vorsetzlich gelegten Feuer werden von jungen Menschen unter 21 Jahren gelegt. Dies schließt auch Kinder ein, die mit Feuer spielten, das dann außer Kontrolle gerät. Dr. Paul Read: "Statistiken aus der ganzen Welt zeigen, dass es zwei Gruppen Feuerteufel gibt: die ganz junge Gruppe und diejenigen im Alter über 30." Gerade letztere Gruppe zündele am liebsten an heißen Tagen, zu einer Zeit, wenn Buschfeuer ohnehin schon brennen. "Das Chaos, das beim Kampf gegen die Buschfeuer ausbricht, und die Evakuierungen begünstigen, dass die Täter unerkannt bleiben", erklärt Dr Read.

Gründe für die Pyromanie

Aber warum gehen Menschen raus und legen Feuer? Natürlich gibt es die typischen Pyromanen, die sich am Feuer selbst erfreuen. Diese Gruppe macht jedoch nur einen kleinen Teil aus. Die Studie von Matthew Willis fand heraus, dass Rache an einem Kollegen oder einem Ex-Partner Gründe für Brandstiftung sein können. So teilte ein verurteilter Brandstifter dem australischen Sender ABC mit, er habe seine Freundin fremdgehen sehen und daraufhin ein Feuer gelegt. "Ich bin keine der Personen, die ihren Ärger rauslassen, indem sie andere schlagen oder ähnliches. Stattdessen fahre ich mit dem Auto raus, zumindest half dies in der Vergangenheit", erklärte er. "Ich habe rotgesehen... und wollte etwas anderes zerstören", erzählte er weiter.

Das würde erklären, warum sich die Buschfeuer so rasant ausbreiten: Verärgerte Menschen oder irrational Handelnde freuen sich darüber, wenn sich die Situation für Menschen verschlechtert, die eh schon leiden. 480 Millionen Tiere sind zudem betroffen.