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Verhandlungen mit der Euro-Zone - Verzockt sich Athen?

Verhandlungen mit der Euro-Zone - Verzockt sich Athen?

Ein Kommentar von Alexander Oetker

Erneuter Eklat in Brüssel: Die griechische Regierung hat zum zweiten Mal binnen weniger Tage Gespräche über den Umgang mit ihren Milliardenschulden platzen lassen. Nach nicht einmal dreistündigen Beratungen der Euro-Finanzminister hieß es aus Kreisen der Regierung: "Es kann heute keine Einigung geben." Die Eurogruppe hat Griechenland eine Frist bis Ende der Woche gesetzt, um doch noch Kompromissbereitschaft im Schuldenstreit zu zeigen. Athen sollte nicht zu lange pokern, meint RTL-Reporter Alexander Oetker:

Verhandlungen mit der Euro-Zone - Verzockt sich Athen?
RTL-Reporter Alexander Oetker berichtet vom Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel.

In Brüssel ist alles eigentlich immer sehr routiniert. In den Sälen des europäischen Rates sitzen Diplomaten, Unterhändler, Politiker – besonnene Menschen sind das in der Regel.

Da fällt es schon auf, wenn diese Frauen und Männer seit einer Woche kopfschüttelnd über die Gänge laufen, oder beinahe erstaunt sind über die neueste Anekdote aus der letzten Verhandlungsnacht in Brüssel.

Dann haben sie nämlich gerade Yanis Varoufakis kennengelernt. Oder Alexis Tsipras. Also den neuen griechischen Finanzminister und den neuen griechischen Premier.

Den Wandel im Stil können wir hier mal beiseitelassen: Über fehlende Krawatten, Hemden aus der Hose und klobige Schuhe wurde schon genug geschrieben.

Es ist die Art der beiden Regierungsneulinge, die den alten EU-Hasen irgendwas zwischen Erstaunen, Unverständnis und Respekt abnötigen.

"Nicht Athen tut der Eurozone einen Gefallen!"

Es ist wie beim Glückspiel: Varoufakis und Tsipras verhandeln, als hätten sie alle Trümpfe in der Hand. Dabei ist ihr einziger Trumpf, dass Schäuble, Sapin und die Finanzminister-Kollegen schlicht keinen Grexit, also ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, wollen. Klar, mittlerweile kann die EU das wirtschaftlich ertragen, psychologisch wäre es aber eine Katastrophe und ein Zeichen an die Finanzmärkte, dass man sehr wohl Länder aus dem Euro wetten kann.

Doch die Syriza-Politiker fordern ein Moratorium mit neuem EU-Geld, ein europaweites Sozialprogramm, eine Umbenennung der verhassten Troika, Hilfsprogramme und und und. Gerne auch mehrere unterschiedliche Vorschläge täglich von verschiedenen Mitspielern.

Sie tun das aber auch, weil sie schlicht nicht anders können. Sie haben ihrem darbenden Volk eine Abkehr vom Sparen versprochen – und sind deshalb gewählt worden. Jetzt können sie nicht drei Wochen nach der Wahl neue Sparzusagen machen.

Doch die Zeit drängt: Manche sagen, Griechenland ist ohne frisches Geld schon in wenigen Wochen pleite, manche meinen, sie würden es noch bis zum Sommer schaffen, durchzuhalten.

In Brüssel gibt es viele, die der Meinung sind, die neue Regierung brauche ein wenig mehr Zeit für die Einarbeitung und einen Kassensturz, auch um selbst zu bemerken, wie unbezahlbar manche Ideen sind.

Doch mehr Zeit und mehr Geld werden Varoufakis und Tsipras nur bekommen, wenn sie nicht mehr allzu lange so verhandeln, als wäre es Griechenland, das den anderen Europartnern einen Gefallen tut.