Unionspolitiker schlagen bis zu vier Wochen Winterpause vor

Wegen Corona: Längere Weihnachtsferien für alle?

Leerer Klassenraum in Frankfurt. Unionspolitiker fordern verlängerte Weihnachtsferien.
Leerer Klassenraum in Frankfurt. Unionspolitiker fordern verlängerte Weihnachtsferien.
© dpa, Arne Dedert, ade htf ade rho

14. Oktober 2020 - 10:14 Uhr

Oster- und Sommerferien 2021 könnten kürzer werden

Sich nach den Herbstferien dick anziehen in der Klasse – dazu hatten Lehrervertreter und Bildungspolitiker Anfang der Woche aufgerufen, damit die Schüler nicht frieren, wenn immer mal wieder durchgelüftet wird – bei sinkenden Temperaturen. Das Ziel: Das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Unionspolitiker schlagen jetzt eine Verlängerung der Winterferien vor – und zwar bis zu vier Wochen. Klingt verlockend für alle Schüler, aber die Sache hätte auch einen Haken...

"Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund stehen"

Unionspolitiker haben als Schutzmaßnahme gegen Corona-Infektionen in der kalten Jahreszeit eine Verlängerung der Winterferien vorgeschlagen. "Wir sollten darüber nachdenken, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen", sagte der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß der "Bild".

Ziel müsse sein, bestmöglich durch die Pandemie zu kommen. Sein Fraktionskollege Stephan Pilsinger (CSU) regte sogar bis zu vier Wochen längere Weihnachtsferien mit entsprechender Kürzung der Oster- und Sommerferien an. "Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund stehen", begründete er seinen Vorschlag.

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"Sollten immer auch die Konsequenzen für Eltern im Blick haben"

Kritik an dem Vorschlag, die Winterferien zu verlängern, kommt allerdings auch aus eigenen Unionsreihen. "Angesichts der Verbreitungswege, die derzeit dominieren, befürchte ich, dass wir durch eine Verlängerung der Weihnachtsferien viel Unruhe stiften, aber letztlich keinen durchgreifenden Erfolg erringen. Dabei sollten wir immer auch die Konsequenzen für die Eltern im Blick haben, die ja üblicherweise auch ihren beruflichen Verpflichtungen nachzukommen haben", sagt Unionsfraktions-Vize, Thorsten Frei gegenüber RTL.

"Entscheidend zur Eindämmung der Pandemie ist, dass wir endlich alle die Abstands- und Hygieneregeln ernst nehmen - auch diejenigen, die möglicherweise nur ein geringes Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf haben. Ich habe manchmal den Eindruck, dass selbst junge Schüler damit viel disziplinierter umgehen, als junge Erwachsene, die in den Innenstädten feiern als gäbe es kein Virus", ergänzt der Unionspolitiker. Kritik kommt auch von Bayerns Ministerspräsident Markus Söder (CSU). Es sei jetzt nicht die Zeit, über Ferienverlängerungen zu reden und damit mit "zusätzlichen Dingen" für Verunsicherung zu sorgen, sagte er der dpa.

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Bildungsexperten lehnen Vorschlag ab

Kritisch sehen den Vorstoß auch Experten aus dem Bildungsbereich. "Ich halte von dem Vorschlag überhaupt nichts. Das ist ein vergiftetes Weinachtsgeschenk. Wir sind ja froh, dass wir jetzt wieder Präsenzunterricht in vollen Klassen haben. Bislang funktioniert der Hygieneschutz an den Schulen einigermaßen. Und jetzt schon wieder über verlängerte Ferien zu sprechen, nachdem wir jetzt erst das aufholen, was in den letzten verlängerten Osterferien versäumt worden ist, halte ich für völlig falsch", sagt Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes im RTL-Interview. Dem schließt sich auch Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) an. Eine Verlängerung der Ferien habe null Auswirkungen auf das Corona-Geschehen.

Auch der Vorsitzende des Grundschulverbandes, Edgar Bohn, hält die Idee für "wenig zielführend". Es lasse sich nicht abschätzen, wie sich die Pandemie entwickele, sagte er der dpa. "Wir könnten also vor dem Problem stehen, dass wir auch im Frühjahr noch hohe Infektionszahlen haben und damit auch die Osterferien nicht verkürzt werden könnten." Der Verband warnte vor dem Problem, dass benachteiligte Kinder dann wieder über längere Zeit keinen Kontakt zur Schule hätten.

Ähnlich sieht es auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU): "Auch Ende Januar ist der Winter ja noch nicht vorbei, deshalb ist das ein wenig zu kurz gedacht." NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat dem Vorschlag, die Winterferien wegen Corona zu verlängern und stattdessen die Sommerferien zu kürzen, auch eine Absage erteilt. "Der Vorschlag ist untauglich und unnötig". Die Idee sei "kurzfristig weder schulorganisatorisch noch praktisch umzusetzen."

"Es gibt momentan keine verrückten Vorschläge"

Offen zeigte sich hingegen der Bundeselternbeirat. "Ich würde momentan selten Vorschläge von der Hand weisen." Es seien besondere Zeiten: "Es gibt momentan keine verrückten Vorschläge", so der Vorsitzende Stephan Wassmuth. Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) will sich laut Angaben einer Sprecherin und der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) bei ihren Beratungen am Freitag mit dem Thema befassen. Zu Bedenken gibt die SPD-Politikerin der dpa heute in Mainz, dass vor allem Eltern wieder vor neue Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestellt würden. "Deshalb sehe ich persönlich den Vorschlag kritisch, gehe aber offen in den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der KMK."

Schulschließungen unbedingt vermeiden

Über dieses Thema könnten auch die Ministerpräsidenten der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch beraten. Schulschließungen zu vermeiden, gilt als eines der wichtigsten Ziele der Corona-Maßnahmen.

Lehrervertreter und Bildungspolitiker hatten am Montag Schüler und Lehrer aufgefordert, sich nach den Herbstferien warm anzuziehen. Um Ansteckungen mit Corona in der Schule zu vermeiden, solle regelmäßig in relativ kurzen Abständen gelüftet werden. Im Frühjahr hatte sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) für kürzere Sommerferien ausgesprochen, damit Schüler ausgefallene Schulstunden nachholen können.

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