Unbekannter vergiftet Getränke in München

Polizei warnt, auf Flaschenverschluss zu achten

04. Juni 2020 - 9:19 Uhr

Unbekannter manipuliert mindestens vier Mal Getränkeflaschen in Supermärkten

Ein Unbekannter hat in den Monaten März und April 2020 mindestens vier Mal Erfrischungsgetränke in Supermärkten mit Lösungsmitteln vergiftet. Diese manipulierten Getränkeflaschen wurden anschließend in den Verkaufsregalen der Geschäfte platziert – momentan handelt es sich der Polizei zufolge um zwei Supermarktketten im Raum München. Die Polizei warnt jetzt, beim Getränkekauf vor allem darauf zu achten, dass der Sicherungsring der Flasche nicht beschädigt ist und auch keine weiteren Veränderungen am Flaschenverschluss zu erkennen sind. Was Sie genau beachte sollten, erklärt ein Polizeisprecher im Video.

Auffälliger Geruch beim Öffnen der Flasche?

Aufgrund des aktuellen Vorfalls empfiehlt die Polizei beim Kauf von Getränkeflaschen mit Schraubverschluss dringend auf die Unversehrtheit des Sicherungsrings zu achten. Bei den betroffenen vier Flaschen sollen sichtbare Verunreinigungen am Verschluss sichtbar gewesen sein. Bereits beim Öffnen einer Flasche könne hier unter Umständen ein auffälliger Geruch wahrgenommen werden. Der Geschmack sei von den bisher betroffenen Personen als bitter und künstlich-chemisch beschrieben. Bei einer entsprechend verdächtigen Flasche sollte die Substanz nicht entsorgt werden, sondern umgehend der Notruf der Polizei, die 110, verständigt werden.

Genaue Details zu Getränken und Supermärkten hat die Polizei bislang nicht veröffentlicht – denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Unbekannte noch weitere Getränke in anderen Supermärkten vergiftete.

Getränke-Mischung hätte tödlich sein können

Mindestens drei Kunden hatten aus den Flaschen getrunken und anschließend über Schwindel, Übelkeit und Kreislaufbeschwerden geklagt. Eine 34 Jahre und eine 42 Jahre alte Frau mussten deshalb ärztlich versorgt werden. Ein 48-Jähriger hat die Einnahme der Mischung etwas besser verkraftet.

Die Giftmischung hätte tödlich sein können. Das teilte die Polizei mit. Die manipulierten Flaschen eines Erfrischungsgetränks sollen einzeln gekauft worden sein und einen "komischen Geschmack" sowie milchige Ablagerungen am Verschluss aufgewiesen haben. Die akute Gefahr, die von dem Gemisch ausgehe, wurde aber erst jetzt nach umfangreichen polizeilichen Untersuchungen und Analysen bekannt. Außerdem soll im Rahmen von weiteren Nachforschungen festgestellt worden sein, dass eine vierte Flasche noch vor dem Verkauf manipuliert wurde.

Bislang 28 Hinweise bei der Polizei eingegangen

Aufgrund des aktuellen Kenntnisstandes wurden die Ermittlungen nun vom Kommissariat 11 der Münchner Polizei übernommen. Diese soll nun unter anderem das Videomaterial von Überwachungskameras auswerten. Der Tatvorwurf laute versuchter Mord. Es wurde in diesem Zusammenhang die SOKO Tox gegründet. Die Motivlage des Täters sei bislang ungeklärt. Ebenfalls seien derzeit keine Forderungen des Täters bekannt.

Nach dem Fund von vier Getränkeflaschen mit Gift in Münchner Supermärkten sind bei den Ermittlern bis Mittwochmittag 28 Hinweise eingegangen. "Da geht's um Getränke, die möglicherweise auch vergiftet worden sind", sagte ein Sprecher der Polizei. Die Hinweise kämen aus der Stadt und dem Landkreis München.