Täter immer noch nicht verurteilt

Brutaler Vergewaltigungsfall in Sierra Leone: Fünfjährige kann nicht mehr laufen und nässt sich ein

Ein besonders schwerer Fall von sexuellem Kindesmissbrauch schockiert Sierra Leone. (Foto: Motivbild)
Ein besonders schwerer Fall von sexuellem Kindesmissbrauch schockiert Sierra Leone. (Foto: Motivbild)
© dpa, Patrick Pleul, ppl;cse tmk vfd nar fpt bak sja

13. Juni 2019 - 9:09 Uhr

Zuerst wusste niemand, was mit dem Kind los war

Die Sache flog erst nach und nach auf. Zuerst konnte sich niemand erklären, warum das fünf Jahre alte Mädchen aus Sierra Leone plötzlich nicht mehr laufen konnte und sich ständig einnässte. Die Familie vermutete zuerst, dass das Kind verhext wäre, wie der Sender ABC berichtet. Doch dann kam heraus, was wirklich passiert war: Die Fünfjährige war von einem Onkel so brutal vergewaltigt worden, dass sie ihre Beine nicht mehr bewegen und den Urin nicht mehr halten konnte.

Regierung griff ein, damit das Mädchen behandelt werden konnte

Präsident Julius Maada Bio
Der Präsident von Sierra Leone, Julius Maada Bio, erklärte den Fall der vergewaltigten Fünfjährigen zum Notfall.
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Solche Fälle sind in Sierra Leone leider kein Einzefall. Schon im Februar 2019 rief Präsident Julius Maada Bio den nationalen Notstand aus und sagte Missbrauch und Gewalt gegen Frauen und Kindern den Kampf an. Er versprach, dass das Opfer kostenlos medizinisch betreut werden würde.

Die Regierung musste eingreifen, weil der Vater des Mädchens nicht wollte, dass der Fall seiner Tochter vor Gericht landet, wie die britische Zeitung "Metro" berichtete. Normalerweise werden solche Angelegenheiten in Sierra Leone innerhalb der Familie geregelt. Die Behörden mussten auch erst eine einstweilige Verfügung vorlegen, damit das Mädchen überhaupt in medizinische Behandlung kam.

So geht es der Fünfjährigen inzwischen

Heute liegt das Kind immer noch im Krankenhaus, es kann immer noch nicht wieder laufen und der Onkel wurde immer noch nicht vor Gericht gestellt. Der Mann sitzt zwar im Gefängnis, aber eine Anklage gibt es bisher nicht.

Seit Monaten ist das Mädchen an ihr Krankenbett im "Aberdeen Women's Center" in Freetown gefesselt. Wenn sich das Kind bewegen will, muss es einen Rollstuhl benutzen. Seit einem Jahr kann die Kleine nicht wie andere Kinder in ihrem Alter in die Schule gehen.

Für das junge Opfer, ist das belastend. "Sie versteht nicht viel über Anklage oder nicht Anklage", sagte Fatmata Sorie, die Anwältin, die das Mädchen vertritt, dem Sender ABC. "Aber es beschäftigt sie, dass er laufen und sich bewegen kann und sie nicht". Die Höchststrafe für Kindesmissbrauch in Sierra Leone liegt bei 15 Jahren Haft. Damit der Täter in diesem Fall verurteilt werden kann, muss er aber erst einmal angeklagt werden.