12. Januar 2019 - 16:54 Uhr

Karlsruhe: Späte Überführung

Nach mehr als zwei Jahrzehnten ist in Pforzheim die Vergewaltigung einer Neunjährigen aufgeklärt worden. Hinter der Überführung des Täters steckt eine ungewöhnliche Geschichte: Die Tat konnte dem Mann nur zugeordnet werden, da er in den vergangenen Jahren wiederholt Frauen in der Öffentlichkeit mit Sperma bespritzt hatte. Ein Abgleich mit Spuren der lange zurückliegenden Tat lässt wenig Zweifel an der Schuld des Mannes.

Sperma-Spritzer gab Polizei Rätsel auf

Schon mehr als 21 Jahre ist es her, dass sich im baden-württembergischen Pforzheim das abscheuliche Verbrechen abspielte: Mit vorgehaltenem Messer drängte ein damals Unbekannter ein nur neunjähriges Mädchen in einen Keller und verging sich dort an ihr. Wie der "Stern" berichtet, wurde das Verbrechen damals als "schwerer sexueller Missbrauch" eingestuft, nach heutigem Gesetz würde es sich jedoch um eine Vergewaltigung handeln. Am Tatort konnten die Ermittler zwar Spermaspuren sichern, viele Jahre konnten diese aber keinem Täter zugeordnet werden. Zwei Jahrzehnte sollte es keine Fortschritte in den Ermittlungen geben.

Ab 2014 wurden die Polizei in Karlsruhe auf eine Reihe von Vorfällen aufmerksam, die zunächst in keinem Zusammenhang mit der Pforzheimer Vergewaltigung zu stehen schienen: Am 21. Dezember 2014 überquerte eine 34-Jährige eine Straße, wobei sie von einem ihr dicht aufschließenden Mann verfolgt wurde. Wenig später machte die Frau dann eine unangenehme Entdeckung: An einem ihrer Hosenbeine klebte Sperma. Im Labor stellten die Ermittler später fest, dass die DNA mit der des Spermas aus dem Jahr 1997 übereinstimmte.

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich am 14. April 2018, ebenfalls in Karlsruhe. Dieses Mal war es ein 13-jähriges Mädchen, das beim Warten vor einem Schnellimbissrestaurant ebenfalls eine Flüssigkeit an ihrer Kniekehle bemerkte. Wieder stimmte die DNA mit der des Vergewaltigers überein.

DNA-Proben belasten 55-Jährigen schwer

Am 21. April 2018 ging der Täter der Polizei schließlich in die Fänge: In einem Karlsruher Einkaufszentrum fasste das Sicherheitspersonal einen 55-Jährigen, der versucht hatte, einer Siebenjährigen in einer Umkleidekabine zwischen die Beine zu filmen. Die Polizei durchsuchte den Mann anschließend. Dabei fanden die Beamten zu ihrer großen Überraschung mehrere mit Sperma aufgezogene Plastikspritzen. Da auch die DNA des Inhalts mit den Spuren der Vergewaltigung vor 21 Jahren übereinstimmte, wussten die Ermittler, dass ihnen mit größter Wahrscheinlichkeit der Sex-Täter in die Fänge geraten ist. Mit den Spritzen hatte er wiederholt Passantinnen mit seinem Sperma bespritzt.

Vergangene Woche wurde der dringend tatverdächtige Mann durch das Kriminalkommissariat Pforzheim zu den Vorwürfen vernommen. Dabei gab er sowohl die Tat von 1997 als auch die genannten Vorfälle ab 2014 zu. Das mittlerweile 30-jährige Vergewaltigungsopfer darf nun also auf späte Gerechtigkeit hoffen. Da keine Fluchtgefahr besteht, befindet sich ihr Peiniger jedoch zurzeit noch auf freiem Fuß.