Verurteilter Vergewaltiger soll rückfällig geworden sein

Josi (18): "Nachher sagte er, dass es ihm leidtut"

Die 18-Jährige wirft Mario L. vor, sie mit einem Küchenmesser bedroht und vergewaltigt zu haben.
Die 18-Jährige wirft Mario L. vor, sie mit einem Küchenmesser bedroht und vergewaltigt zu haben.
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28. Januar 2021 - 18:09 Uhr

18-Jährige will Vergewaltigungsopfern Mut machen

Josi (Name von der Redaktion geändert) findet kaum Worte, um den Mann zu beschreiben, der ihr Schreckliches angetan haben soll. Die 18-Jährige wirft Mario L. vor, sie mit einem Küchenmesser bedroht und vergewaltigt zu haben. Jener Mario L., der vorher schon wegen zweifacher Vergewaltigung knapp fünf Jahre im Knast gesessen hatte und 2017 wieder rauskam. "Nachher sagte er, dass es ihm leidtut", erzählt Josi im RTL-Interview. Sie geht an die Öffentlichkeit, um anderen Vergewaltigungsopfern Mut zu machen.

Dem angeblichen Opfer seine Telefonnummer dagelassen

Nur acht Monate nach seiner Entlassung im April 2018, soll sich Mario L. in Waldheim (Sachsen) an der damals 16-jährigen Josi vergangen haben. "Ich war auf dem Weg zu meiner besten Freundin", erinnert sich Josi. L. sei auf der Straße plötzlich von hinten gekommen, habe sie an den Haaren gezogen und mit einem Küchenmesser bedroht. Aus Angst vor dem Messer sei sie nicht weggerannt, sagt Josi. "Ich wollte keine Narbe haben." Dann soll er Josi in seiner Wohnung zum Sex gezwungen haben.

Danach habe Mario L. ihr seine Telefonnummer gegeben, falls sie Geld haben wolle. "Als Entschädigung" und damit sie nicht zur Polizei gehe. Josi berichtet, sie sei dann zu ihrer besten Freundin gegangen und habe aus Angst mindestens zwei Stunden gebraucht, bis sie die Polizei gerufen habe.

Mutmaßlicher Vergewaltiger kam wieder frei

Josi zeigte Mario L. an, erzählte, was passiert war. Im Laufe der Zeit verstrickte sie sich in Widersprüche. L. kam nach knapp einem Monat wieder auf freien Fuß. Weil es keine Anhaltspunkte dafür gegeben habe, dass L. "gleich wieder was anstellen" würde, erklärt Marika Lang, Sprecherin am Landgericht Chemnitz. Der Haftbefehl sei auf die Fluchtgefahr begründet gewesen, Wiederholungsgefahr habe beim Erlass keine Rolle gespielt.

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Mario L. soll ein weiteres Mal rückfällig geworden sein

Im Sommer 2018 soll Mario L. dann ein weiteres Mal rückfällig geworden sein. Er lernte eine Frau kennen und zog zu ihr und ihrer Tochter (17). Das Mädchen soll er zwischen Januar 2019 und März 2020 heimlich beim Duschen gefilmt haben. Mit den Nacktaufnahmen soll er die Jugendliche dann erpresst und mehrfach vergewaltigt haben.

Josi glaubt, dass es weitere Opfer gibt

Das wäre zu verhindern gewesen, "wenn die den drin behalten hätten", ist sich Josi sicher. Sie kann nicht nachvollziehen, dass L. im Anschluss an das, was ihr widerfahren ist, wieder rauskam. Und glaubt, dass es weitere Opfer gibt – "mindestens fünf bis zehn". Sie trauten sich möglicherweise nur nicht, von dem Vorfall zu erzählen. Josi appelliert an Missbrauchsopfer, sich eine Vertrauensperson zu suchen und ihr zu öffnen – und dann zur Polizei zu gehen.

18-Jährige hofft, dass Mario L. in den Knast kommt

Weil Mario L. auch nach der zweiten mutmaßlichen Wiederholungstat wieder aus der Haft entlassen wurde, läuft er noch immer frei herum. Am Freitag wird am Landgericht Chemnitz der Prozess fortgesetzt, in dem es um Josis Fall geht. Dass L. behauptet, der Sex sei einvernehmlich gewesen, empört Josi. "Er sollte dazu stehen, wie es wirklich war", sagt die 18-Jährige. Und hofft, "dass er wegkommt. Für lange, lange Zeit."

Das Urteil wird für März erwartet. Dem 37-Jährigen drohen 15 Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung.