LGBTQ*-Szene in Afrika

Verfolgt und gedemütigt: In Kenia gibt es Schutzhäuser für Homosexuelle

24. Juni 2020 - 16:28 Uhr

Im Video: LGBTQ*-Szene über Flucht nach Kenia

Homosexualität ist in vielen Ländern Afrikas noch immer ein Verbrechen. Wer seine Sexualität offen auslebt, wird verstoßen oder sogar verfolgt. Viele Angehörige der LGBTQ*-Szene fliehen nach Kenia - dort gibt es wenigstens Schutzhäuser für Schwule. Im Video sprechen Betroffene.

Homosexueller Radiojournalist in Uganda verfolgt

Martin Okello lebte als Schwuler in Uganda. Dort werden Homosexuelle verfolgt. Die Familie des 29-jährigen Radiojournalisten hat ihn verstoßen. Sein Arbeitgeber – eine christliche Radiostation – hat ihn gefeuert. Aus Angst ins Gefängnis zu müssen, ist er nach Kenia geflohen. Dort werden Schwule geduldet und als Flüchtlinge anerkannt – richtig akzeptiert sind sie aber auch nicht. "Es ist nirgends wirklich sicher", erzählt Okello. Man müsse sich besser unauffällig verhalten. "Vor kurzem wurde ich von kenianischen Schwulenhassern angegriffen. Sie haben mich schwer verletzt - und niemand von den Umstehenden hat mir geholfen. Es war wirklich schlimm. Sie haben mich zusammengeschlagen und liegen gelassen, weil sie dachten, ich sei tot. Deswegen bin ich hier."

Die Einrichtung "House of Nature" nimmt LGBTQ*-Menschen auf und bietet ihnen Schutz. Es ist keine staatliche Organisation, sondern ein Ort, den sich die Community selbst geschaffen hat. "Viele der Menschen in unserer Organisation wurden von ihren Familien, von ihren Gemeinden verstoßen. Wenn sie hierher kommen, haben sie wenigstens das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. Das bedeutet mir sehr viel", erzählt der Gründer Raymond Brian. Raymond hat das Haus gegründet. Dort dürfen sie alle so leben, wie sie sind – als Dragqueens oder Transmenschen.

Bis zu 14 Jahre Gefängnis

Außerhalb der schützenden Mauern versuchen die Bewohner nicht aufzufallen - denn auch in Kenia stehen homosexuelle Handlungen unter Strafe. Ihnen drohen bis zu 14 Jahre Gefängnis.

Deshalb will auch Martin das Land bald verlassen. Seine einzige Chance für ein besseres Leben wäre die Übersiedlung in ein westliches Land.