Verfolgt - Stalkern auf der Spur: Interview mit Leo Martin

Spezialist und Ex-Geheim-Agent Leo Martin im Interview.
Spezialist und Ex-Geheim-Agent Leo Martin im Interview.
© RTL / Stefan Gregorowius

07. August 2014 - 13:48 Uhr

Spezialist und Ex-Geheim-Agent im Interview

In der Crime-Doku "Verfolgt - Stalkern auf der Spur" ermittelt Spezialist und Ex-Geheim-Agent Leo Martin. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen mit Stalker, was diese Menschen zu ihren Taten bewegen und wie aktuell das Thema derzeit wirklich ist.

Was hat Sie dazu veranlasst, bei diesem Format mitzuwirken?

Leo Martin: Als Ex-Agent sind Kriminalfälle mein Metier. Verdeckte Aufklärung war zehn Jahre lang mein Hauptgeschäft. Hinter "Verfolgt" stehe ich, weil das Format weit mehr als ein Unterhaltungsprogramm ist. Wir unterstützen Betroffene dabei, eine unerträgliche Stalking-Situation zu beenden. Wer uns um Hilfe bittet, hat meist schon alles versucht. Ohne Erfolg! Mit einem Team von Experten schöpfen wir alle rechtlichen und taktischen Möglichkeiten aus. Ich konfrontiere den Täter mit seinem Tun und sorge dafür, dass er seinem Opfer nicht mehr unbemerkt von seinem Umfeld und unbehelligt nachstellen kann. Für mich geht Opferschutz vor Täterschutz!

Was bewegt Menschen zum Stalking von anderen Menschen?

Leo Martin: Negative Motive, wie Hass, Rache und Wut können genauso eine Rolle spielen wie das Streben nach Liebe, Zuneigung oder Aufmerksamkeit. Stalking ist eine sogenannte Beziehungstat. Das bedeutet, dass sich Täter und Betroffene in der Regel sehr gut kennen. Oft geht dem Stalking eine intime Beziehung voraus. Eine jahrelange Partnerschaft oder nur ein One-Night-Stand. Das Ex-Partner-Stalking bietet dem Täter besonders perfide Ansätze und Rechtfertigungen. Oft werden hier berechtigte Interessen, wie z. B. gemeinsame Kinder, Wohnung, Einrichtungsgegenstände oder Schulden als Vorwand genutzt, den Partner zu terrorisieren. In Wirklichkeit geht es aber um ein Machtspiel.

Sind die Stalker psychisch krank?

Leo Martin: Die größte Gruppe der Stalker ist nicht psychisch krank. In den meisten Fällen wird von einer mehr oder minder ausgeprägten Verhaltensstörung ausgegangen, nicht von einer krankheitswertigen psychiatrischen Störung. Der Stalker ist somit in der Regel in der vollen Verantwortlichkeit für sein Handeln. Damit ist er auch voll schuldfähig.

Hatten Sie schon einmal eine Stalking-Erfahrung?

Leo Martin: Seit ich mich nicht mehr undercover, sondern in der Öffentlichkeit bewege, habe ich tatsächlich stalking-ähnliche Erfahrungen gemacht. Keines dieser Vorkommnisse hatte jedoch größeren Einfluss auf meine Lebensumstände. Trotzdem kenne ich dadurch das ungute Gefühl zu denken: "Wozu wird das führen? Was kommt als nächstes?". Damit bin ich weit entfernt von den unfassbaren Erlebnissen, die unsere Stalking-Opfer über sich ergehen lassen müssen.

Ist "Stalking" ein aktuelles Thema?

Leo Martin: Das Thema Stalking ist so alt wie die Menschheit. Jedoch war es nie zuvor so einfach wie heute, in das Leben eines anderen einzudringen. Mit kleinem Aufwand ist es einfach große Wirkung zu erzielen. Dank Internet und Mobilfunk kommt der Täter dichter als jemals zuvor an sein Opfer heran. In die Wohnung, an den Arbeitsplatz, in die Brusttasche, in der das Handy steckt. Zu jeder Tages und Nachtzeit. Kein Lebensbereich kann ausgeschlossen werden. Deshalb ist das Thema Stalking heute brisanter denn je.