2017 M12 3 - 10:15 Uhr

IS-Kämpfer gehen unter und bringen ihre Familien in Sicherheit

Seit langem warnen unsere Sicherheitsbehörden vor Heimkehrern aus IS-Gebieten. Jetzt aber umso mehr, weil die Terrormiliz in Syrien und im Irak fast komplett zurückgedrängt ist. Lange lag der Fokus auf den männlichen Kämpfern. Aber nicht nur sie stellen ein Risiko dar. Verfassungsschützer beobachten mit Sorge die Rückkehr von Frauen und Kindern der Terroristen.

Kinder & Frauen stark radikalisiert

Laut Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen hat die ganz große Rückreisewelle von Dschihadisten noch nicht eingesetzt. Aber: "Beobachten lassen sich Rückreisen von Frauen, Jugendlichen und Kindern", sagt er. Warum? Weil die Kämpfer ihre Angehörigen wegen der prekären Lage in den Kriegsgebieten in Sicherheit bringen wollen.

Und jetzt kommt das Problem: Es gibt Kinder, die in den 'Schulen' im IS-Gebiet einer Gehirnwäsche unterzogen wurden und in starkem Maße radikalisiert sind, erklärt Maaßen. Für ihn und seine Kollegen sei das ein Problem, "weil diese Kinder und Jugendlichen mitunter gefährlich sein können". Und auch Frauen stellen zum Teil eine Bedrohung dar. "Sie haben in der vergangenen Jahren in IS-Gebieten gelebt, sind häufig derart radikalisiert und identifizieren sich mit der IS-Ideologie, dass man sie mit Fug und Recht auch als Dschihadistinnen bezeichnen kann." Maaßen stellt klar: "Das bedeutet nicht immer, dass sie auch bereit sind, Terroranschläge zu begehen. Aber wir müssen auch diese Frauen im Blick behalten."

"Terroristen im virtuellen Raum gut vernetzt"

Der IS hat in Syrien und im Irak seine einstigen Herrschaftsgebiete fast komplett verloren. Das bedeutet laut Maaßen aber nicht, dass dann automatisch die Terrormiliz verschwindet. Der IS sei inzwischen in einigen anderen Staaten vertreten und dort durchaus stark. "Außerdem ist die Gruppe enorm vernetzt im virtuellen Raum. Es gibt ein globales Cyber-Kalifat." 

ARCHIV - Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, spricht am 21.11.2017 in Berlin während eines Interviews. (zu dpa: "Maaßen: Gefahr durch heimkehrende Frauen und Kinder aus IS-Gebieten" vom 03.12.2017) Foto: Michael Kappel
Beobachtet die Entwicklungen rund um den IS mit Sorge: Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen
© dpa, Michael Kappeler, mkx gfh fpt

Viele Terroristen, die auf gepackten Koffern saßen und in den Dschihad reisen wollten, sind in ihrer Heimat geblieben. Es gibt aber gerade deswegen das Risiko, dass diese Gruppe in europäischen Städten Terrorakte begeht. Aktuell leben in Deutschland gut 700 Gefährder, also Menschen, denen die Sicherheitsbehörden zumindest grundsätzlich einen Terrorakt zutrauen.