Vereitelter Terroranschlag in Wien: Möglicher Komplize des Terrorverdächtigen in Neuss gefasst

22. Januar 2017 - 19:39 Uhr

Bombenanschlag auf Polizisten und Bundeswehrsoldaten in Deutschland geplant?

Ein mutmaßlicher Komplize des in Wien verhafteten Terrorverdächtigen ist im nordrhein-westfälischen Neuss gefasst worden. Der 21-Jährige sei am Samstag von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen worden, bestätigte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Ihm werde die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen.

"Die Festnahme zeigt, dass die Sicherheitsbehörden gut, schnell und vertrauensvoll bei der Terrorbekämpfung zusammenarbeiten", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger. Die österreichischen Behörden hatten am Freitag einen 17-jährigen Terrorverdächtigen in Wien festgenommen. Er steht im Verdacht, einen Terroranschlag in Österreichs Hauptstadt geplant zu haben. Die Ermittler vermuten einen radikal-islamistischen Hintergrund. Der Tatverdächtige aus Wien habe in Neuss als Gast bei dem Festgenommenen übernachtet, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf. Besprochen hätten die beiden Anschläge gegen Bundeswehrziele.

Die Staatsanwaltschaft beantragte nach Angaben des Sprechers einen Haftbefehl wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Nach Informationen von 'Focus online' soll der Verdächtige einen Bombenanschlag auf Polizisten und Bundeswehrsoldaten in Deutschland geplant haben. Den Ermittlungen zufolge habe der inhaftierte Neusser in engem Kontakt zu dem 17-jährigen Islamisten aus Wien gestanden. Beide hätten in der Neusser Wohnung mit Mitteln zur Herstellung von Sprengstoff experimentiert.

"Der Ermittlungszusammenhang zwischen dem aktuellen Fall und Deutschland ist evident", sagte der Sprecher des österreichischen Innenministeriums. Das Alter des Wiener Verdächtigen wurde von den Behörden von 18 auf 17 Jahre korrigiert.

Die Bundesanwaltschaft hat zurzeit nicht vor, die Ermittlungen gegen den im rheinischen Neuss verhafteten Terrorverdächtigen an sich zu ziehen, sagte ein Sprecher der Behörde in Karlsruhe. Anders wäre es, wenn sich der Verdacht der Mitgliedschaft oder Unterstützung einer Terrorvereinigung bestätigen würde, etwa bei der Terrormiliz IS. 

U-Bahn als mögliches Ziel

Der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit im Innenministerium, Konrad Kogler, sagte am Samstag im 'ORF-Radio', es gebe "Hinweise, dass ein solcher Anschlag sehr zeitnah geplant" war. Das Zünden einer Bombe in einer U-Bahn sei "eines der möglichen Szenarien gewesen". Die Behörden mahnten die Bevölkerung an stark frequentierten Orten zu besonderer Vorsicht. Die genauen Hintergründe waren aber zunächst noch unklar.

Der Verdächtige ließ sich am Freitagnachmittag widerstandslos in der Nähe seiner Wohnung festnehmen. Der Mann stammt nach Darstellung von Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) aus dem "albanischen Milieu". Er war den Behörden als Kleinkrimineller bekannt. Auszuschließen sei, dass der Mann ein Heimkehrer aus einem Kriegsgebiet der Terrormiliz Islamischer Staat sei. Die Hinweise, die zur Festnahme des Mannes führten, kamen von befreundeten Geheimdiensten. 

Der Mann war laut Sobotka auch einmal in Deutschland. Er wurde in den vergangenen Tagen observiert. Gefahr für die Bevölkerung habe es nicht gegeben. "Die Person war jederzeit unter Kontrolle", hieß es aus dem Innenministerium. Er sitzt nun wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Haft.