Neue Bezahlregeln

Verbraucherschützer fordern: Keine Vorkasse mehr bei Flugtickets

Verbraucherschützer fordern, dass Flugtickets künftig nicht mehr per Vorkasse bezahlt werden sollen.
© dpa, Inga Kjer

11. November 2020 - 11:17 Uhr

Flugreisende bleiben wegen Corona auf Ticketkosten sitzen

Es ist gängige Praxis: Flug buchen, bezahlen und ab in den Urlaub. Doch was ist, wenn der Flug wegen der Corona-Krise storniert wurde? Dann haben Kunden das Recht, ihr per Vorkasse gezahltes Geld für das Ticket zurückzubekommen. Das gilt für Billig-Airlines, als auch für Fluggesellschaften wie Lufthansa oder KLM. Und genau hier liegt das Problem: Seit Monaten warten Flugreisende auf die Rückerstattung der Tickets, weil sie ihre Reise weit im Vorhinein bei den Airlines bezahlt haben. Verbraucherschützer sind verärgert und fordern: Die Vorkasse muss weg.

"Das Vorgehen ist peinlich und skandalös"

"Es kann nicht sein, dass Kunden von Airlines seit Monaten auf teils mehrere hundert Euro warten und völlig unklar ist, wann sie das Geld jemals wiedersehen werden." kritisiert der Verbandschef der Verbraucherzentralen Klaus Müller in der Rheinischen Post. Um Flugreisende besser zu schützen, fordern die Verbraucherzentralen deswegen, die Vorkassen-Praxis abzuschaffen. Denn bisher müssen Kunden direkt bei der Buchung, und damit teilweise weit im Voraus, die Flugtickets bei den Airlines bezahlen. In vielen Fällen steht dann noch gar nicht fest, ob ein Flug wirklich durchgeführt werden kann, oder ob er abgesagt wird- zum Beispiel wegen der Corona-Pandemie. "Dieses Vorgehen der Unternehmen ist peinlich und skandalös, vor allem, wenn sie mit Milliardenhilfen der Steuerzahler unterstützt wurden", sagt Müller und fordert neue und transparentere Bezahlregeln.

80.000 Beschwerden in den letzten Monaten

Seit die Corona-Krise auch bei uns Anfang des Jahres richtig ins Rollen kam, nahm die Zahl der Flugstornierungen massiv zu. Wegen der Reisewarnungen und vereinzelten Einreiseverboten blieb der Großteil der Maschinen am Boden. Doch das Geld für die abgesagten Flüge bezahlten die meisten Airlines erst einmal nicht. Nach Angaben des deutschen Reiseverbands betrug der Wert der nicht zurückgezahlten Flugtickets allein in Deutschland bis zum Sommer rund vier Milliarden Euro. Deswegen wehren sich Ticketinhaber und klagen gegen Tui, EasyJet und Co. Seit Januar habe es nach Angaben von Klaus Müller mehr als 80.000 Beschwerden über Flug- und Reiseunternehmen gegeben. Das sei ungefähr 20-mal mehr, als in den vergangenen Jahren: "Das ist zu einem großen Teil dem Ärger um nicht oder zu spät erfolgte Rückerstattungen von Vorkasse-Zahlungen nach Ausbruch der Corona-Pandemie geschuldet."

Vorkasse bei Flugtickets abschaffen

Geht es nach den Verbraucherzentralen, wäre es jetzt an der Zeit, die bisher gängige Vorkassen-Praxis zu überdenken und verbraucherfreundlichere Bezahlregeln zu schaffen: "Es braucht endlich eine neue Gesetzgebung, um der Vorkasse-Praxis im Reisesektor ein Ende zu setzen" erklärt der Chef der Verbraucherzentralen und verlangt, "dass künftig ein Flugticket erst wenige Tage vor dem Flugantritt bezahlt werden muss."

Kunden müssen hartnäckig sein

Nach geltender Rechtslage sind die Airlines verpflichtet, ihren Kunden den Ticketpreis zu erstatten, wenn der Flug wegen der Corona-Pandemie storniert wurde. Immer wieder versuchen die Fluggesellschaften ihren Kunden Umbuchungen oder Reisegutscheine anzubieten, um sich vor der Rückerstattung zu drücken. Akzeptieren müssen Kunden das nicht, rät die Verbraucherzentrale Hamburg. Wie Sie ihr Geld zurückbekommen und welche Rechte Sie als Ticketinhaber haben, erklären wir Ihnen hier.