RTL News>News>

Venezuelas Präsident Hugo Chavez ist tot: Trauer um den "Comandante"

Venezuelas Präsident Hugo Chavez ist tot: Trauer um den "Comandante"

Leichnam wird mehrere Tage lang aufgebahrt

Abschied von einer Galionsfigur, die weit über die Grenzen ihres Landes verehrt wurde: Lateinamerikas Linke trauern um ihr Idol Hugo Chavez. Der venezolanische Staatschef erlag im Alter von 58 Jahren den Folgen seiner schweren Krebserkrankung. Nun nehmen die Menschen Abschied von "Comandante Chavez". In Venezuela gilt eine siebentägige Staatstrauer. Der Leichnam wird mehrere Tage lang aufgebahrt. Als einen "großen Lateinamerikaner" würdigte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff den Verstorbenen.

Hugo Chavez Staatstrauer Tod
Hugo Chavez erlag im Alter von 58 Jahren den Folgen einer Krebserkrankung
dpa, Harold Escalona

Der Tod des "Vaters der Nation" versetzt Venezuela in Schockstarre. Chavez wurde von seinen Anhängern fast abgöttisch verehrt. Der Leichnam des Präsidenten soll vom Militärhospital Carlos Arvelo in die Militärakademie übergeführt und aufgebahrt werden. Am Freitag wollen zahlreiche Staats- und Regierungschefs zur offiziellen Trauerfeier nach Caracas kommen, um Chavez die letzte Ehre zu erweisen.

Mehrere Länder Lateinamerikas, darunter Argentinien, Bolivien und Kuba verhängten eine mehrtägige offizielle Staatstrauer. Die kubanische Regierung teilte mit, "Chavez ist auch Kubaner". Für Revolutionsführer Fidel Castro sei Chavez wie ein "echter Sohn" gewesen und für Staatschef Raúl Castro ein "herzlicher Freund". Chavez war in Kuba seit Juni 2011 viermal operiert worden und war erst am 18. Februar nach über zwei Monaten von Havanna nach Caracas zurückgekehrt. Die sozialistische Karibikinsel wird von Venezuela massiv wirtschaftlich mit verbilligten Öllieferungen unterstützt.

Den US-Präsident nannte er vor der UN einen Teufel

In Venezuela müssen laut Verfassung binnen 30 Tagen Neuwahlen ausgerufen werden. Obwohl eigentlich Parlamentspräsident Diosdado Cabello die Amtsgeschäfte des Präsidenten übergangsweise führen müsste, soll Vize-Präsident Nicolas Maduro als Interimspräsident fungieren. Er ist auch Kandidat der Regierung für die anstehende Präsidentschaftswahl.

Maduro bezeichnete seinen Ziehvater Chavez als "comandante eterno" (ewigen Kommandanten). Chavez selbst hatte den 50-jährigen Maduro nach der gewonnenen Wahl im Oktober vergangenen Jahres als Vizepräsidenten berufen und ihn als Wunschnachfolger präsentiert. Bei einem Krisentreffen der Regierung hatte er erklärt, dass die Krankheit von Chavez möglicherweise auf eine gezielte Infizierung durch Feinde des Landes zurückzuführen sei. Venezuela hatte zwei US-Militärattachés wegen mutmaßlicher Verwicklung in "konspirative Pläne" des Landes verwiesen. Die USA wiesen die Behauptungen als abwegig zurück.

Der Sozialist Chavez hat mit seiner Verstaatlichungspolitik die venezolanische Bevölkerung tief gespalten. Anhänger verweisen auf einen Rückgang der Armut und einen besseren Zugang einkommensschwacher Familien zu Bildung und Gesundheit. Kritiker prangern dagegen die Schattenseiten des von Chavez propagierten Sozialismus' im 21. Jahrhundert an, allen voran die hohe Arbeitslosigkeit und die zunehmende Kriminalität. Auch Inflation und Vetternwirtschaft sind zu einem großen Problem geworden.

Auf der internationalen Bühne galt der ehemalige Offizier Chavez als einer der umstrittensten Politiker. Bei jeder Gelegenheit stilisierte sich der selbst ernannte Erbe des Revolutionshelden Simon Bolivar als Kämpfer für die Unterdrückten, sein Image als Erzfeind der USA pflegte er mit Leidenschaft. So beschimpfte Chavez George W. Bush 2006 in der UN-Vollversammlung als Teufel. Ungeachtet dessen sind die Vereinigten Staaten immer noch der wichtigste Käufer von venezolanischem Öl. Mit den Petro-Dollars finanzierte Chavez wiederum einen Großteil seiner Sozialprogramme.