Den Venezianern reicht's!

Venedig verbannt Kreuzfahrtschiffe aus Stadtzentrum

© dpa, Luca Bruno, FP sab kde

9. August 2019 - 12:15 Uhr

Venedig kämpft gegen Touristen

Die italienische Lagunenstadt Venedig versinkt im Tourismus. Nach einer Kollision im Juni reicht es den Venezianern jetzt: Die Kreuzfahrtschiffe werden umgeleitet und bekommen damit nach und nach keinen Zugang mehr zum Stadtzentrum.

Kollision von MSC Opera brachte Stein ins Rollen

Nachdem im Juni das Kreuzfahrtschiff MSC Opera mit einem kleineren Touristenboot zusammengestoßen war und dabei fünf Passagiere verletzt wurden, reicht es der italienischen Regierung jetzt mit der riesigen Zahl an Kreuzfahrern.

Bereits ab September sollen Kreuzfahrtschiffe umgelegt werden. Bisher dürfen viele der riesigen Schiffe direkt an die berühmte Piazza von San Marco heranfahren – zum Unmut der Venezianer. Das soll sich jetzt ändern.

Danilo Toninelli, italienischer Minister für Infrastruktur und Verkehr, hat laut "Financial Times" angekündigt, dass bis 2020 ein Drittel der Touristendampfer umgeleitet werden sollen.

Das wird sich für Touristen ändern

Die Regierung entschied, dass vermehrt die Liegeplätze in Fusina und Lombardia angefahren werden sollen. Die liegen nicht mehr im Stadtzentrum, aber noch immer innerhalb der Lagune.

Touristen werden dann aber keinen direkten Blick mehr vom Schiff auf die Stadt haben – dafür können Touristen und Venezianer wieder den Blick von der Stadt auf die Blaue Lagune genießen, ohne dabei auf die schwimmenden Kolosse zu schauen.

Venedig versinkt in Touristen

Allein 2018 zählte die Lagunenstadt 1,56 Millionen Kreuzfahrt-Touristen zusätzlich zu den rund zehn Millionen Reisenden, die in örtlichen Hotels unterkommen und das bei gerade einmal 262.000 Einwohnern. Seit Mai 2019 erhebt Venedig eine Gebühr von drei Euro pro Tagestourist, die zumeist mit dem Kreuzfahrtschiff anreisen, um zumindest die anfallenden Reinigungskosten durch den Tourismus zu finanzieren.