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Vechta: Tizia L. gelingt spektakuläre Flucht aus dem Frauenknast

Vechta: Tizia L. gelingt spektakuläre Flucht aus Frauengefängnis

Die Angeklagte Tizia L. sitzt am 18.01.2017 im Gerichtssaal im Landgericht in Hildesheim (Niedersachsen).
Die Angeklagte Tizia L. am 18.01.2017 im Gerichtssaal im Landgericht in Hildesheim (Niedersachsen).
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Tizia L. gelang die Flucht aus dem Frauengefängnis Vechta

Ihr gelang eine spektakuläre Flucht - filmreif wie aus einem Krimi: Tizia L. brach am Montag aus dem niedersächsischen Frauengefängnis in Vechta aus. Durch eine Dachluke des Gebäudes hatte sie sich Freigang verschafft. Nun fahndet die Polizei nach der 22-jährigen Flüchtigen. Allerdings nicht öffentlich, weil die Beamten sie nicht als gefährlich einschätzen. Und das, obwohl Tizia L. wegen Totschlags einsitzt.

Wofür Tizia L. ins Gefängnis kam

Das Landgericht Hildesheim hatte die junge Frau zu einer Haftstrafe von elf Jahren verurteilt. Der Grund: Im Juli 2016 tötete die damals 21-Jährige ihren 40 Jahre älteren Mann mit acht Schüssen, als er auf dem Sofa schlief. Danach holte sie mit dem Auto des Opfers ihren jungen Liebhaber ab und setzte sich mit ihm nach Italien ab.

Wie konnte Tizia L. ausbrechen?

Diese Mauer mit Stacheldraht der Justizvollzugsanstalt Vechta muss Tizia L. bezwungen haben.
Diese Mauer mit Stacheldraht der Justizvollzugsanstalt Vechta muss Tizia L. bezwungen haben.
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Ihr Verschwinden bleibt rätselhaft. Fest steht aber: Die junge Frau hatte am frühen Montagmorgen zwischen 3.00 und 6.00 Uhr das Schloss einer Dachluke im Flur der Bibliothek handwerklich geschickt aufgebrochen und sich aufs Dach gezwängt. Danach war sie vermutlich an dem Gebäude heruntergeklettert und über den fast vier Meter hohen Zaun entkommen. Ganz schön sportlich! Der Zaun wird zwar von Kameras überwacht – doch diese filmten die 22-Jährige nicht bei ihrem Ausbruch. Jetzt prüft das Ministerium, wie die junge Frau unbemerkt aus der Justizvollzugsanstalt entkommen konnte.

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Täterin saß auch noch im offenen Vollzug

In Vechta saß sie in der Sozialtherapie, einer Außenstelle des Frauengefängnisses. Bei genauerer Betrachtung kam heraus: Das Gebäude ist weniger gesichert als der normale geschlossene Vollzug. Nachts sind die Türen der Hafträume im Erdgeschoss nicht verschlossen, weil diese keine Toiletten haben. Die Fenster sind nicht vergittert, aber mit Schlössern verriegelt.

Strengere Maßnahmen in der JVA

Blick auf das Gebäude der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta.
Blick auf das Gebäude der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta.
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Ab sofort dürfen die Gefangenen die Gemeinschaftsräume und Toiletten im ersten Stock nur benutzen, wenn eine Justizangestellte anwesend ist. Ab dem Abend bleibe die Etage verschlossen, sagte Christian Lauenstein, Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums. Außerdem prüfe die Gefängnisleitung zurzeit mit der Bauverwaltung, ob die Fenster vergittert werden können.

Flucht hat nichtmals Konsequenzen

Nicht einmal juristische Konsequenzen muss sie dadurch befürchten. "Ein Ausbruch an sich ist nicht strafbar", so Lauenstein. "Sollte die Entwichene gefasst werden, entscheidet die JVA über die weitere Ausgestaltung des Strafvollzugs."