Vater stellte Tochter eine Falle: Lesbisches Paar aus London flieht von Dubai bis in die Türkei

Maria Jimena Rico Montero und Shaza Ismail lernten sich in London kennen und wurden ein Paar.
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04. Mai 2017 - 15:28 Uhr

Shaza und Maria lebten glücklich in London

Für Shaza Ismail lief alles gut. Die 22-jährige Ägypterin war nach Großbritannien ausgewandert und lebte seit anderthalb Jahren in London. Dort lernte sie auch ihre große Liebe kennen: Maria Jimena Rico Montero. Die 28-jährige Spanierin war bereits seit viereinhalb Jahren in der britischen Hauptstadt und arbeite dort als Kellnerin. Dem Glück der Frischverliebten stand eigentlich nichts im Wege, hätte nicht eines Tages Shazas Vater bei seiner Tochter angerufen.

Er hatte offenbar herausgefunden, dass seine Tochter eine Frau liebte, und konnte das nicht ertragen. Also stellte der Ägypter dem Paar eine Falle, wie mehrere britische und spanische Medien berichteten. Er erzählte Shaza, dass ihre Mutter schwer krank sei und sie unbedingt schnell nach Dubai kommen müsse, wenn sie die Frau noch einmal lebend sehen wolle. Überstürzt brach die junge Ägypterin auf, ihre Partnerin begleitete sie.

Shazas Vater spürte sie in Georgien auf

Als die beiden in Dubai ankamen, stellte sich heraus, dass der Vater gelogen und die Krankheit der Mutter nur vorgetäuscht hatte, um seine Tochter in ein Land zu locken, wo Homosexualität unter Strafe steht. Er hatte offenbar vor, das Paar bei den Behörden anzuzeigen. Ihnen hätte im Falle einer Verhaftung eine lange Haftstrafe gedroht. Homosexuelle können in den Vereinigten Arabischen Emiraten sogar mit dem Tod bestraft werden. Das schien Shazas Vater immer noch lieber zu sein, als seine Tochter in London glücklich werden zu lassen.

Als Shaza und Maria erkannten, dass man ihnen eine Falle stellen wollte, reisten sie sofort wieder ab und nahmen den nächsten Flug nach Georgien. Dort mussten sie am Flughafen auf den Anschluss nach London warten. Der Ägypter folgte ihnen und spürte die Frauen am Flughafen auf. Dem Bericht zufolge soll er dann das Visum seiner Tochter zerrissen und die Pässe des Paares zerstört haben, sodass sie nicht mit dem nächsten Flug nach Hause konnten.

Marias Familie meldete die beiden als vermisst

Die Frauen brachen trotzdem auf und versuchten, dem skrupellosen Vater zu entkommen. Sie nahmen offenbar einen Bus, der sie nach Istanbul bringen sollte. Ein Freund aus London hatte ihnen dort eine Unterkunft gebucht. Dort wollten sie sich dann Hilfe im spanischen Konsulat holen. Dann riss der Kontakt zu den Frauen ab.

Maria hatte ihrer Mutter noch eine verzweifelte Nachricht geschickt, dass Shazas Vater sie in Georgien aufgespürt hatte und sie dort am Flughafen zehn Stunden festgehalten worden waren, berichteten die Zeitungen. "Wenn ich bis heute Mittag nicht angerufen habe, ist mir etwas passiert", schrieb die 28-Jährige. Der Anruf blieb aus. Die spanische Familie machte sich große Sorgen und meldete die beiden Frauen als vermisst.

Dann die Erleichterung: Nach mehreren Tagen der Ungewissheit wurden die beiden Frauen in einem türkischen Abschiebezentrum gefunden. Die spanische Botschaft nahm Kontakt zu ihnen auf und stellte sicher, dass die beiden wieder ausreisen können – entweder nach Spanien oder nach Großbritannien, wo sie ohne Angst vor Verfolgung ein Paar sein dürfen.