Nach Kinderporno-Razzia in Würzburg

Vater schockiert: „Ich habe Angst, mein Kind geht in diesen Kindergarten"

21. März 2019 - 16:47 Uhr

Ein Verdächtiger wieder auf freiem Fuß

Nach der Razzia in einer Würzburger Kita - wegen der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie im Darknet - wurde ein Verdächtiger wieder freigelassen. Gegen ihn hat sich ein dringender Tatverdacht nicht erhärtet. Sein Lebensgefährte ist noch in Gewahrsam. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. RTL hat mit einem schockierten Vater gesprochen. Was er zu dem Vorfall sagt, zeigen wir im Video.

Ob Kinder der Kita unter den Opfern sind, ist unklar

Die Polizei hat am Donnerstag mehrere Objekte in der bayerischen Stadt durchsucht, darunter auch eine Kindertagesstätte. Dort wurden die beiden Männer festgenommen. Laut "Bild" soll es sich um den stellvertretenden Kitaleiter Markus H. (36) und seinen Lebensgefährten, den Kindertherapeuten Oliver H. (39) handeln. Gegen den 39-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft jetzt wohl Haftbefehl beantragt. Markus H. sei wieder auf freiem Fuß, bleibe aber Beschuldigter.

"Im Zuge der Durchsuchungen haben wir Computersysteme gefunden. Die müssen jetzt erst einmal ausgewertet werden. Wir haben aber schon Hinweise darauf, dass es Kinderpornografie gibt", sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern.

Derzeit untersuchen die Ermittler, ob in dem pornografischen Material auch Kinder aus dieser Kita zu sehen sind.

Im Video: So ermittelt die Polizei Kinderporno-Täter

Um Kinderpornographie vor Gericht bringen zu können, müssen die Ermittler das beschlagnahmte Material sichten. So sammeln sie Beweise gegen die Täter und können weitere Opfer ermitteln. Das Video zeigt diesen harten, sehr wichtigen Job am Beispiel des Landeskriminalamts NRW.

Bilder zeigen Jungen im Kindergartenalter

Bei den Opfern handelt es sich offenbar außsschließlich um Jungs im Kindergartenalter. Sie sollen über Jahre hinweg missbraucht worden sein. Das Material landete anschließend im Darknet. Die Ermittlungen führten die Beamten über die IP-Adressen nach Würzburg - und dann zu dem Verdächtigen. Nach Angaben der Ermittler geht es um eine dreistellige Zahl von Foto- und Videoaufnahmen.

"Jetzt muss man im Einzelnen sehen, welche Bilder gehören zusammen", so Schorr. Auch im Darknet seien Täter immer vorsichtiger und achteten darauf, dass der Hintergrund der Aufnahmen und auch die Opfer nicht erkennbar seien. Es handele sich um "sehr junge Kinder".

Wie die "Bild" berichtet, arbeitet Oliver H. wohl als Kindertherapeut, betreibt eine Praxis für Logopädie und Psychomotoriktherapie in Würzburg.

Evangelische Kirche über Kinderporno-Verdacht in Kita schockiert

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern zeigte sich als Träger der Kita schockiert. "Diese Nachrichten haben uns schockiert und sehr bestürzt", erklärte Dekanin Edda Weise am Donnerstag schriftlich. Pfarrer, Leitung und Personal arbeiteten eng mit der Polizei und den Behörden zusammen, um eine schnelle Aufklärung des Falls zu unterstützen. Seit dem Morgen seien Weise selbst, der Pfarrer, ein Team der Polizei und der Notfallseelsorge in der Kita, um Gespräche mit Eltern und Mitarbeitern zu führen.