Vater machte "Abschiedstour": Warum mussten Julian (9) und Ruben (7) sterben?

Vermisste Kinder in den Niederlanden tot aufgefunden

Die Suche ist beendet: Die Hoffnung von Angehörigen und Nachbarn, Julian und Ruben doch noch lebend zu finden, hat sich nicht erfüllt. Die quälende Frage, die sich alle stellen: Warum mussten die sieben und neun Jahre alten Brüder sterben? Offenbar wurden sie vom eigenen Vater getötet – der mit ihnen noch eine "Abschiedstour" machte, wie die Ermittler mitteilten.

Vater machte "Abschiedstour": Warum mussten Julian (9) und Ruben (7) sterben?
In einer Kirche in Cothen haben Bürger Kerzen für die ermordeten Kinder aufgestellt.
dpa, Robin Utrecht

"Ich habe die Mutter von Ruben und Julian besucht", berichtet Koos Janssen, Bürgermeister der Gemeinde Zeist. "Ihre Familie ist bei ihr. Aber der Schmerz, den sie und ihre Angehörigen empfinden, ist nicht in Worte zu fassen."

Der 38-jährige Vater der Brüder war am 7. Mai im Waldgebiet Het Doornse Gat unweit von Zeist (Provinz Utrecht) tot aufgefunden worden. Nach Polizeiangaben hat er sich erhängt. Der Mann hatte die Kinder am Vortag bei deren Mutter zu einem vereinbarten Ausflug abgeholt. Von ihnen fehlte seither jede Spur.

RTL-Reporter Martin to Roxel berichtet aus der Ortschaft Cothen: "Hier wurden die Brüder gefunden, in einem Abwasserkanal. Dass sie entdeckt wurden, ist purer Zufall, denn die Polizei hatte in diesem weitläufigem Gebiet nicht gesucht."

Morde seit langem geplant?

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Vater seine beiden Söhne umbrachte. Das Verhältnis der geschiedenen Eltern galt als angespannt, der Vater habe zuvor mehrfach mit einem "Familiendrama" gedroht und die Morde vermutlich seit längerem geplant, hieß es in Ermittlerkreisen. Darauf deute auch hin, dass er mit den Kindern im Auto zunächst mehrere Orte aufsuchte, die für ihn einst wichtig waren. Dies sei möglicherweise eine "Abschiedstour" gewesen. Wie Julian und Ruben ums Leben kamen, dazu wollten die Ermittler noch keine Angaben machen.

Aus allen Teilen der Niederlande gingen Trauer- und Beileidsbekundungen ein, vielfach über soziale Netzwerke und Kondolenz-Internetseiten. In Absprache mit der Familie und gesellschaftlichen Organisationen würden öffentliche Trauerveranstaltungen angeboten, kündigte der Bürgermeister an.

In den Wochen seit dem Verschwinden der Kinder hatten Hunderte Polizisten - unterstützt von insgesamt mehr als 1.000 Freiwilligen - an verschiedenen Orten nach ihnen gesucht. Es war die bislang größte Aktion dieser Art in den Niederlanden. Auch Hubschrauber und ein Flugzeug der Luftwaffe wurden eingesetzt. Gesucht wurde auch in grenznahen Gebieten Deutschlands und Belgiens.