Job-Muffe statt Seelenfrieden

Bottas: Vertrags-Unsicherheit war Nachteil im WM-Kampf mit Hamilton

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7. November 2019 - 12:18 Uhr

Einjahresverträge nerven Bottas

Okay, die Gehalts-Lage ist eine ganz andere, davon abgesehen aber hat Formel-1-Pilot Valtteri Bottas bei Mercedes ein Problem, das auch vielen Ottonormal-Arbeitnehmern das Leben schwer macht - befristete Arbeitsverträge.

"Man kann sich nicht rein auf den Job konzentrieren"

Bis zum Ende der Sommerpause musste Valtteri Bottas zittern: Würde Mercedes seinen Vertrag um ein Jahr verlängern oder auf den jungen Franzosen Esteban Ocon setzen. Die Frage trieb den Finnen um. Erst Ende August teilte Mercedes schließlich mit, dass Bottas auch 2020 neben Weltmeister Lewis Hamilton im Silberpfeil sitzt.

Laut Bottas sind seine befristeten Vertäge im WM-Kampf mit Stallrivale Hamilton ein Nachteil. "Du hast halt nicht den totalen Seelenfrieden und kannst dich nicht rein auf den Job konzentrieren. Du bist nicht hundertprozentig frei im Kopf. Es ist schon schwierig", zitiert 'Motorsport-Total' den 30-Jährigen.

Seelenfrieden - ein Synonym für Hamilton, der bei Mercedes stets hochdotierte Drei- oder Zweijahresverträge unterschrieb. Zuletzt verlängerte der Brite Mitte 2018 bis Ende 2020 bei den Silbernen. Bottas dagegen bekam von Mercedes bisher immer nur Einjahresverträge vorgesetzt.

Irgendwann wird's lästig

Die dauernden Einjahresverträge seien "als Athlet und Fahrer keine ideale Situation", sagte Bottas. Der Vize-Weltmeister gibt zu, dass ihm sein Schleudersitz auf dem Fahrer-Karussell während der Saison zu schaffen gemacht habe.

"Es gab schon eine Zeit, da war die Situation im Hinblick auf 2020 alles andere als sicher. Viele Gerüchte. Ich hatte keine Ahnung, was passieren würde, und musste einfach abwarten", so der siebenmalige Grand-Prix-Sieger. "Wenn das immer so weitergeht, jedes einzelne Jahr deiner Karriere, dann wird es irgendwann richtig lästig."

Fahrermarkt 2021 komplett offen

Mercedes-Motorsport-Chef Toto Wolff räumte ein, es habe "bessere Wege" gegeben, um Bottas' Situation im Laufe der Saison zu klären. "Im Nachhinein kann man sagen, dass es sich vielleicht ausgewirkt hat. Ich werde das berücksichtigen und versuchen, da in Zukunft einen besseren Job zu machen", versprach der Österreicher.

Allerdings: Auch kommende Saison wird das Thema wieder auf den Tisch kommen, schließlich hat Bottas wieder nur bis Jahresende Vertrag. Damit ist Bottas aber beileibe nicht der einzige Formel-1-Pilot. Die Arbeitspapiere nahezu aller (Top-)Piloten laufen Ende 2020 aus.

Für die Saison 2021, ab der ein neues Formel-1-Reglement gilt, "ist die Tür weit offen", betonte Wolff: "Das ist super aufregend, und ich gehe davon aus, dass sich das Fahrerkarussell schon bald zu drehen beginnt."