User sucht im Netz nach Hilfe und bekommt herzerwärmende Antwort

Traurig, ehrlich und zugleich motivierend beschreibt der User den Kummer, wenn ein Mensch uns verlässt.
© dpa, Volker Bartels

14. Oktober 2015 - 19:46 Uhr

"Du wirst merken, dass der Kummer in Wellen kommt"

Im Internet wird viel geschrieben. Und längst nicht jeder Kommentar ist wirklich eine Hilfe - geschweige denn, ernst zu nehmen. Doch es gibt jene Momente, in denen User füreinander da sind - in denen User beweisen, wie soziale Netzwerke uns auffangen können.

Einer dieser Momente ergab sich auf der Internet-Plattform Reddit. Dort sendete ein User einen Hilfeschrei in die Welt: "Mein Freund ist gerade gestorben. Ich weiß nicht, was ich tun soll." Was er als Antwort bekam, waren nicht nur die Kommentare von Menschen, die sein Leid verstanden und teilten, sondern vor allem diese Antwort eines alten Mannes, die zu Tränen rührt...

"Ok, pass auf. Ich bin alt. Das bedeutet, dass ich überlebt habe (bis jetzt) und viele Menschen, die ich kannte und liebte, nicht. Ich habe Freunde verloren, beste Freunde, Bekanntschaften, Kollegen, Großeltern, Mama, Verwandte, Lehrer, Mentoren, Studenten, Nachbarn - und viele andere. Ich habe keine Kinder und ich kann mir nicht vorstellen, wie schmerzhaft es sein muss, ein Kind zu verlieren. Aber jetzt gebe ich meinen Senf mal dazu.

Ich wünschte, ich könnte dir sagen, dass man sich daran gewöhnt, dass Menschen sterben. Ich konnte es nie. Ich will es auch nicht. Wann immer jemand stirbt, den ich liebe, reißt es mich in Stücke - egal unter welchen Umständen. Aber ich will auch gar nicht, dass es mir nichts bedeutet. Ich will nicht, dass es bloß etwas ist, das vorbei geht."

Dann zeichnet er ein Bild, das den Kummer so ehrlich und anschaulich darstellt, dass man sich einfach verstanden fühlt.

"Du wirst merken, dass der Kummer in Wellen kommt. Wenn das Schiff sinkt, ertrinkst du, überall um dich herum sind Wrackteile. Alles, das um dich rum treibt, erinnert dich an die Schönheit und den Glanz des Schiffes, das einst war - aber nicht mehr ist. Und alles, was du tun kannst, ist treiben. Du findest ein Wrackteil und klammerst dich für eine Weile daran. Vielleicht ist es eine glückliche Erinnerung oder ein Foto. Vielleicht ist es eine Person, die ebenso umher treibt. Für eine Weile ist alles, was du tun kannst, treiben. Am Leben bleiben."

Und er gibt Hoffnung...

"Aber irgendwann - und das ist bei jedem anders - stellst du fest, dass die Wellen nur noch 20 Meter hoch sind. Oder 15 Meter hoch. Und obwohl sie noch immer kommen, kommen sie in größeren Abständen. Du kannst sie kommen sehen. Ein Jahrestag, ein Geburtstag, oder Weihnachten, oder ein Flughafen, an dem du landest. Du kannst sie kommen sehen - meistens jedenfalls - und dich vorbereiten. Und wenn sie über dir brechen, weißt du, dass du wieder irgendwie auf der anderen Seite auftauchst. Triefend nass, durchgeschüttelt, noch immer an irgendeinem kleinen Wrackteil klammernd - aber du tauchst wieder auf."

Diese ausführliche und sehr bildstarke Antwort des alten Mannes hat wohl nicht nur dem User, der Hilfe suchte, Trost gespendet, sondern vielen anderen auch.