Misshandlungs-Shitstorm

Youtuberin schlägt und bespuckt ihren Hund

9. August 2019 - 16:17 Uhr

Hat das noch was mit Erziehung zu tun?

Brooke Houts aus den USA hat über 330.000 Abonnenten bei Youtube – doch diese Szenen aus einem Video, das sie versehentlich hochgeladen hatte, könnten ihren Erfolg zunichtemachen. Bei ihren Aufnahmen fühlte sie sich so gestört von ihrem Dobermann, dass sie ihn anschreit, grob auf den Boden drückt, ihm einen Schlag an die Schnauze verpasst – und ihn scheinbar sogar anspuckt. Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. Wie Brooke ihr Verhalten verteidigt, sehen Sie im Video. Wir haben einen Hundetrainer gefragt: Sind das richtige Erziehungsmaßnahmen - oder schon Tierquälerei?

Für Brook hagelte es Hasskommentare

Eigentlich wollte Brooke ein Video hochladen, in dem sie ihrem Hund Sphinx einen Streich spielt. Die Idee: Plastikfolie in den Türrahmen spannen und abwarten, ob er dagegenläuft. Auch das hört sich schon alles andere als witzig an, doch was die Youtuberin dann versehentlich online stellt, schockiert ihre Fans.

Als sie ihren Fehler bemerkt, löscht sie das Video von ihrem Account - doch es ist zu spät: Eine Flut von Hasskommentaren prasselt auf sie herab. Ihr wird Tierquälerei vorgeworfen, aber ist das wirklich der Fall? Hundetrainer Enrico Lombardi aus Berlin gibt uns seine Einschätzung zu den Szenen.

Völlig falsche Signale

"Am Hund ist deutlich zu erkennen, dass er die Ablehnung der Halterin nicht ernst nimmt. Er zeigt immer wieder Aufforderungen, um die Situation zu seinen Gunsten zu manipulieren. Aber auch die Halterin begegnet dem nicht folgerichtig und zeigt sich überfordert. Ihre Mimik und Gestik  signalisiert für den Hund vielmehr Aufmunterung. Für den Hund wird ihr Verhalten eher als eine Art Raufspiel verstanden. Kurz gesagt, er nimmt seinen Menschen nicht ernst!" so Enrico Lombardis erster Eindruck.

Ist so ein grobes Verhalten nicht Tierquälerei?

Enrico Lombardi: "Ein tierschutzrelevantes Verhalten der Youtuberin ist aus meiner Sicht nicht abzuleiten, eher viel Hilflosigkeit und Verzweiflung, aus der sich Wut ergibt. Auch wenn ihre Reaktionen auf den Hund von außen betrachtet ziemlich lieblos wirken können, liegt es doch eher daran das der Hund als hilflos und liebesbedürftig gesehen wird. Dies ist er aber gar nicht. Ein Hund ist eher manipulativ und sehr egoistisch, wenn er nicht die Erziehung erhält, die er benötigt.

Wer keine Grenzen kennt, wird sie übertreten. Grenzüberschreitungen müssen selbstverständlich reglementiert werden und wenn ein Hund körperlich agiert, ist es auch legitim, körperlich zu reagieren. Beobachtet man Hunde untereinander, würde dies genauso erfolgen. Es ist also Bestandteil ihrer innerartlichen Kommunikation."

Was kann man in so einem Fall besser machen?

Das sind nicht selten die Ergebnisse, wenn der Hund mehr betreut und verwöhnt wird, statt erzogen und auf menschliche gesellschaftliche Normen vorbereitet. Liebe zum Tier sollte nicht vorrangig das Verwöhnen bedeuten, sondern vielmehr Strukturvermittlung beinhalten, um in menschlicher Haltung zurechtzukommen. Hunde benötigen eine Folgschaftsbeziehung und kein kollegiales Miteinander."