USA will Video-App verbieten

Wie gefährlich ist Tiktok wirklich?

05. August 2020 - 14:49 Uhr

Sicherheitsbedenken, weil Tiktok aus China kommt

US-Präsident Donald Trump will die beliebte Video-App Tiktok verbieten. Der Grund: Sicherheitsbedenken, weil Tiktok aus China kommt. Aber stellt Tiktok auch in Deutschland ein Sicherheitsrisiko dar? Wir haben die erfolgreiche Tiktok-Mutter Katharina Nolden getroffen und mit Digitalexperten gesprochen.

Tiktok-Mutter 'kathakarate': "Ich halte es für total übertrieben, Tiktok zu verbieten"

Die Videoplattform Tiktok wächst und wächst, Hunderte Millionen Nutzer weltweit schauen sich die kurzen Filmchen an oder produzieren selber welche. Auch Katharina Nolden hat Tiktok für sich entdeckt. Die dreifache Mutter erstellt als "kathakarate" kurze Comedy-Filmchen, hat inzwischen rund 90.000 Follower. Dass US-Präsident Donald Trump Tiktok in den USA verbieten will, findet sie "unvorstellbar". Den Menschen "eine App der Freude zu nehmen", hält sie für total übertrieben.

Digitalexpertin Chris Köver von netzpolitik.org sieht es ähnlich und geht nicht davon aus, dass es sich bei Tiktok um einen chinesischen Staatstrojaner handelt. Dass Tiktok Daten der Nutzer sammelt, gehöre zum Geschäftsmodell: "Das tun sehr viele Social-Media-Plattformen." Wie auch bei Instagram, Facebook & Co. werden vom Nutzer Profile angelegt: "Was mag ich, was schaue ich wie lange an, welches Gerät nutze ich dabei", so Köver. "Die App sammelt sehr viele Daten." Es sei aber technisch gar nicht möglich, E-Mails auf dem Handy einfach mitzulesen.

Allerdings sieht auch Köver ein Problem: Falls der chinesische Staat Zugriff auf die umfangreichen Profile, die in der App vorhanden sind, haben möchte, könnte das Tiktok kaum ablehnen. Denn Tiktok gehört zur Firma Bytedance aus Peking und unterliegt damit auch der chinesischen Staatskontrolle. Und nicht nur die US-Regierung warnt schon länger vor der angeblichen Gefahr, dass über Tiktok Daten von Amerikanern in die Hände chinesischer Behörden geraten könnten. In Indien ist die App seit Juni verboten, auch Australien prüft gerade ein Tiktok-Verbot.

Kinderschutz bei Tiktok in der Kritik

Schon länger gibt es Kritik am Kinderschutz von Tiktok. Erlaubt ist TikTok eigentlich erst ab 13 Jahren, und bis 18 Jahren nur mit Einverständnis der Eltern. Doch wer die App nur zum Anschauen nutzt, wird gar nicht nach dem Alter gefragt. Und wer sich anmeldet, um selbst Videos zu veröffentlichen, muss zwar ein Alter angeben - aber das wird nicht überprüft. Zwar hat Tiktok auf den mangelhaften Kinderschutz reagiert und zum Beispiel eingeführt, dass Jugendliche unter 16 keine Direktnachrichten verschicken oder empfangen können. Da aber bei der Anmeldung die Altersangabe nicht überprüft wird, kann auch hier ganz einfach gemogelt werden.

Deswegen appelliert Deborah Woldemichael von der EU-Initiative klicksafe.de an die Eltern: "Wenn sie die Nutzung erlauben, dann sollten sie diese begleiten, und ihre Kinder unterstützen, wenn es Probleme gibt." Zum Beispiel sollten Eltern die Kontoeinstellungen zusammen mit den Kindern durchgehen und auch regelmäßig überprüfen. Und nachhorchen: "Wem folgt mein Kind? Gibt es Stress über TikTok?"

In den USA könnte sich der ganze Tiktok-Ärger bald legen: Microsoft will das US-Geschäft von Tiktok übernehmen. Fragt sich nur, ob auch dann mit den Daten der Nutzer sorgfältiger umgegangen wird.