Philadelphia kommt nicht zur Ruhe

USA: Weitere Ausschreitungen nach Tod eines Schwarzen

28. Oktober 2020 - 17:45 Uhr

Beamte mit Steinen und Flaschen attackiert

Philadelphia kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Tod eines Afroamerikaners durch Polizeischüsse hat es in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania die zweite Nacht in Folge Ausschreitungen gegeben. Zunächst hätten Hunderte Menschen friedlich gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert, berichteten örtliche Medien. Später seien Beamte mit Steinen und Flaschen attackiert worden, die Polizei habe Reizgas und Schlagstöcke eingesetzt. Auch Plünderungen wurden gemeldet.

Viele Festnahmen und Verletzte

28.10.2020, USA, Philadelphia: Polizisten bilden während einer Demonstration gegen Polizeigewalt nach dem Tod eines Schwarzen durch Polizeischüsse eine Kette. Polizisten in der Stadt Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania hatten am 26. Oktober d
Protest gegen Polizeigewalt - Philadelphia
© dpa, Matt Slocum, JL lop

Auslöser der Proteste war der Tod des 27-jährigen Walter Wallace bei einem Polizeieinsatz am Montag. Der Mann sei mit einem Messer bewaffnet gewesen und habe dieses trotz mehrfacher Aufforderungen nicht fallen lassen, teilte die Polizei mit. Er habe sich auf die Polizisten zubewegt, woraufhin zwei Beamte mehrfach auf ihn gefeuert hätten.

Passanten filmten den Vorfall mit ihren Smartphones. Bei den Protesten waren nach Polizeiangaben bereits am Montag 30 Beamte verletzt und 91 Menschen festgenommen worden.

„Warum haben sie nicht einen Taser benutzt? Warum mussten sie ihn niederschießen?“

Protesters gather for a march Tuesday Oct. 27, 2020, in Philadelphia. Hundreds of demonstrators marched in West Philadelphia over the death of Walter Wallace, a Black man who was killed by police in Philadelphia on Monday. Police shot and killed the
Die Wut in der Bevölkerung über den Tod von Walter Wallace ist groß.
© AP, Matt Slocum, JL

Die Angehörigen des getöteten 27-Jährigen werfen der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vor. Es sei bekannt gewesen, dass Wallace psychische Probleme gehabt habe, sagte der Anwalt der Familie, Shaka Johnson, Medienberichten zufolge. Wallace habe an einer bipolaren Störung gelitten. Demnach hatte die Familie den Notruf gewählt, um einen Krankenwagen zu bestellen. Stattdessen sei die Polizei gekommen. "Warum haben sie nicht einen Taser benutzt? Warum mussten sie ihn niederschießen?", fragte Wallaces Vater in der Zeitung "The Philadelphia Inquirer".

Nicht alle Beamte seien mit Tasern ausgerüstet, sagte Polizeichefin Danielle Outlaw laut dem Sender ABC. Zusätzliche Mittel dafür seien beantragt worden. Sie versprach eine lückenlose Aufklärung des Falls. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Beide Beamte hätten Körperkameras (body cameras) getragen. Die Bilder wurden jedoch zunächst nicht publik gemacht.

dpa/rtl.de

Polizeigewalt und Proteste in den USA