USA und Verbündete starten Luftangriffe auf IS-Kämpfer in Syrien

24. September 2014 - 19:18 Uhr

"Die Geräusche von Kriegsflugzeugen sind deutlich zu hören"

"Der Himmel über Al-Rakka ist jetzt voller Drohnen", twittert Abdulkader Hariri als einer der Ersten. "Gewaltige Explosionen erschütterten die Stadt", schilderte er den Beginn von US-Luftangriffen auf die Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich die Nachrichten im Netz. "Die Geräusche von Kriegsflugzeugen sind deutlich zu hören."

Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien
Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte gab US-Präsident Barack Obama den Befehl zum Angriff auf die IS-Stellungen in Syrien.
© dpa, Pool

Keine Stunde später ist klar: US-Präsident Barack Obama hat den Angriffsbefehl erteilt. Sechs Wochen nach Beginn der Bombardements gegen IS-Stellungen im Irak weiten die USA ihre Luftangriffe auf das benachbarte Syrien aus. Das Ziel sind Kommandozentren, Waffenlager, Führungsposten und Trainingscamps der Dschihadisten. Auch ein "Finanzzentrum" und Versorgungsfahrzeuge des IS wurden laut Pentagon attackiert. Dabei wurden nach Angaben von Menschenrechtlern 70 IS-Extremisten getötet. Zudem starben 50 Kämpfer der weitgehend unbekannten Chorasan-Gruppe, die mit dem syrischen Al-Kaida-Ableger verbunden ist. Auch acht Zivilisten wurden nach diesen Angaben getötet, darunter zwei Kinder.

Mehr als einen Monat hatten Kampfflieger auf ihren Überwachungsflügen Informationen gesammelt, um mehr Erkenntnisse über das Chaos in dem schwer umkämpften Land zu gewinnen. Anders als im Irak, wo die Amerikaner alleine losschlugen und erst nach und nach militärische Unterstützung etwa von Frankreich bekamen, sicherten sie sich bei ihrer Syrien-Strategie schon vorher breiten Rückhalt in der Region. Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Katar kämpfen nun an der Seite des US-Militärs oder unterstützen die Angriffe. Diese Partner gelten als Schlüssel, um die Extremisten zurückzudrängen. Europäische Länder sind bei den Angriffen in Syrien bisher nicht dabei.

"Die Angriffe von gestern Nacht waren erst der Anfang"

"Dies ist nicht Amerikas Kampf allein", sagte Obama kurz vor seiner Abreise zum Klimagipfel nach New York. Er bedankte sich bei den beteiligten Piloten. Die nationale Sicherheit werde "Schulter an Schulter" mit den arabischen Ländern verteidigt. "Wir werden Terroristen, die unser Volk bedrohen, keinen Zufluchtsort lassen", sagte er mit Blick auf die Angriffe gegen Chorasan. Zugleich warnte er, dass der Kampf in Syrien lange dauern werde. "Die Angriffe von gestern Nacht waren erst der Anfang", erklärte Pentagonsprecher John Kirby. Eigene Bodentruppen wollen die USA nicht einsetzen. Syrien sei über die US-Luftschläge nach eigenen Angaben vorab von Washington informiert, meldete die nationale Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf das syrische Außenministerium. Die USA betonten, Syrien sei nicht um Erlaubnis gebeten worden.

In dem Land tobt seit Frühjahr 2011 ein blutiger Bürgerkrieg, der als Aufstand gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad begonnen hatte. Der Islamische Staat beherrscht im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Auch im benachbarten Irak kontrolliert die Terrormiliz riesige Gebiete. In beiden Länder geht sie brutal gegen Gegner und Andersgläubige vor.

Die Türkei muss sich wegen des Vormarschs der IS-Miliz nach UN-Angaben auf bis zu 260.000 weitere syrische Flüchtlinge einstellen. Betroffen sei faktisch die gesamte Bevölkerung der umkämpften kurdischen Enklave Ain al-Arab (kurdisch: Kobane) an der Grenze zur Türkei sowie 200.000 syrische Binnenflüchtlinge, die sich in der Stadt befänden, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Insgesamt haben bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen vor allem aus Syrien in der Türkei Zuflucht gefunden.