USA: Trump sagt Gipfel mit Kim Jong Un ab

Donald Trump: Trotz der Absage an Kim, sei ein Gespräch weiter möglich.
© imago/UPI Photo, PETE MAROVICH, imago stock&people

25. Mai 2018 - 7:35 Uhr

Trump schreibt Brief an Kim

US-Präsident Donald Trump hat den für den 12. Juni mit Hochspannung erwarteten Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un abgesagt. Das schrieb Trump in einem Brief an Kim, den das Weiße Haus veröffentlichte. Sollte es nun militärische Aggressionen seitens Nordkorea geben, seien die US-Streitkräfte "bereit". Doch so ganz ausschließen wollte der US-Präsident das Treffen noch nicht. Nordkorea zeigte sich weiter gesprächsbereit.

Trump: Nordkorea hat "enormen Ärger und offene Feindschaft" erkennen lassen

"Unser Militär ist bereit", sagte Trump. Er habe darüber mit Verteidigungsminister James Mattis gesprochen. In dem Brief an Kim schrieb der US-Präsident, er habe sich sehr auf das Treffen gefreut. Leider habe Nordkorea jedoch in seinen letzten Statements "enormen Ärger und offene Feindschaft" erkennen lassen, er halte deswegen ein Treffen zum jetzigen Zeitpunkt für unangemessen.

Weiter schrieb Trump: "Ich habe gespürt, dass ein wunderbarer Dialog zwischen Ihnen und mir zustande kommt, und letztlich ist das der einzige Dialog, der zählt. Ich freue mich sehr darauf, Sie eines Tages zu treffen." Wenn Kim seine Haltung zu dem Gipfel noch ändern wolle, betonte Trump, solle er nicht zögern, ihm zu schreiben oder ihn anzurufen. Wie es nun weitergeht, ist offen.

Nach Darstellung des Weißen Hauses haben nicht gehaltene Zusagen zu der Absage des Gesprächs geführt. So sei eine US-Delegation in Singapur von Nordkoreanern sitzengelassen worden. "Sie warteten und warteten, aber die Nordkoreaner kamen einfach nicht", empörte sich ein US-Regierungsbeamter am Donnerstag in Washington. Im Video erklärt RTL-Reporter Peter Kleim in Washington, was wahrscheinlich der wahre Grund für die Absage ist.

Enttäuschte Reaktionen auf Trump-Rückzieher

dpatopbilder - 24.05.2018, Russland, St. Petersburg: Wladimir Putin (r), Präsident von Russland, und Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, geben nach ihrem Treffen eine Pressekonferenz. Russland und Frankreich wollen nach Worten des russischen P
Macron und Putin bedauerten auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg Trumps Absage an Kim Jong Un.
© dpa, Dmitri Lovetsky, afn nwi

Mit seiner Ankündigung das Treffen am 12. Juni platzen zu lassen, hat Trump international einmal mehr für Unverständnis und Enttäuschung gesorgt. "Die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und ein dauerhafter Frieden sind historische Aufgaben, die nicht abgelegt oder hinausgezögert werden können", sagte Südkoreas Präsident Moon Jae. Er hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im April getroffen.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in St.Petersburg zeigten sich auch Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron enttäuscht. Er hoffe weiter auf eine Entspannung im Nordkorea-Konflikt, erklärte Macron. Auch der russische Präsident drückte sein Bedauern aus. Der nordkoreanische Staatschef habe seine Versprechen vor dem Gipfel mit Trump gehalten und sogar Schachtanlagen seiner Atomforschung zerstört, so Putin.

Nordkorea wäre auch nach der Absage noch zu einem Gipfeltreffen bereit. "Wir wollen die USA wissen lassen, dass wir die Absicht haben, uns mit den USA jederzeit und egal auf welche Weise zusammenzusetzen", erklärte der Erste Vizeaußenminister Kim Kye Gwan. Er warnte aber auch, die Absage könnte die Führung in Pjöngjang dazu veranlassen, ihre "Wahl für einen neuen Weg" zu überdenken.    

Nordkorea hat Berichten zufolge Atomtestgelände gesprengt

24.05.2018, Südkorea, Seoul: Menschen verfolgen am Bahnhof von Seoul eine Nachrichtensendung auf einem Fernseher, die Satellitenbilder von dem Atomtestgelände Punggye-ri in Nordkorea zeigt. Nordkorea hat nach Medienberichten sein umstrittenes Atomtes
Passanten verfolgen am Bahnhof von Seoul eine Nachrichtensendung zur Sprengung des Atomtestgeländes Punggye-ri.
© dpa, Ahn Young-Joon, AY hjp pat

Trump hatte den Termin für das Treffen und schließlich den Gipfel selbst zuletzt immer offener in Frage gestellt. "Es könnte sein, dass es nicht am 12. Juni klappt", hatte er am Dienstag vor einem Gespräch mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In in Washington gesagt. Die Hauptforderung der US-Seite war der komplette Verzicht Nordkoreas auf Atomwaffen. In Diplomatenkreisen wird der bewusst unscharfe Begriff Denuklearisierung verwendet. Dies lässt Spielraum für Verhandlungen. Die USA bestehen auf einer sofortigen, nachhaltigen und überprüfbaren Vernichtung der Atomwaffen Nordkoreas. Das kommunistisch regierte Land sieht sich nach Medienberichten aber weiterhin als Atommacht und will sich nur zum Verzicht auf die Anwendung verpflichten, ähnlich wie dies die USA im Atomwaffensperrvertrag getan haben.

Vor dem bisher geplanten Gipfeltreffen sprengte Nordkorea nach Medienberichten sein umstrittenes Atomtestgelände Punggye-ri. Der US-Sender CBS berichtete, einer seiner Korrespondenten sei vor Ort Zeuge mehrerer großer Explosionen gewesen. Nordkorea habe mitgeteilt, dass die Anlage im Nordosten des Landes zerstört worden sei.

Die Schließung des in einer Bergregion liegenden Testkomplexes wurde als ein symbolischer Schritt gewertet, mit dem das abgeschottete Land vor der Welt seine Bereitschaft zur Denuklearisierung demonstrieren will. Die USA hatten eine Überwachung der Sprengung durch internationale Experten gefordert. Stattdessen seien lediglich Journalisten zugelassen worden, die kein Fachurteil hätten abgeben können.