Trump twittert über Bidens Wahlsieg

Trump-Fans marschieren auf - Brutale Prügeleien in Washington

15. November 2020 - 15:58 Uhr

Video: Trump Fans und Gegner prügeln sich in US-Hauptstadt

Obwohl schon klar ist, dass US-Präsident Donald Trump die Wahl verloren hat, halten ihm seine Fans weiterhin die Treue. Mehrere Tausend seiner Anhänger haben sich am Wochenende im Zentrum von Washington versammelt, um ihm den Rücken zu stärken. Doch als sie auf Gegner des amtierenden Präsidenten stoßen, eskaliert die Situation, wie im Video zu sehen ist. 

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USA: Emotionen kochen nach US-Wahl hoch

Als es dunkel in Washington wurde, wurden die Proteste vereinzelt aggressiver. Demonstranten beider Lager gingen mit Knüppeln aufeinander los. Die Polizei versuchte, die Gruppen mit Tränengas auseinander zu halten. "Es ist ein Moment, wo deutlich wird, wie hoch die Emotionen kochen", sagt RTL-Reporter Christopher Wittich in Washington. Eine Person wurde durch Messerstiche verletzt, wie der TV-Sender Fox unter Berufung auf das Bürgermeisteramt berichtete. Auch zwei Polizisten seien verletzt worden und es habe 20 Festnahmen gegeben.

Die Trump-Fans riefen zuvor beim Aufmarsch Parolen wie "Vier Jahre mehr!" und "Wir wollen Trump!". Der scheidende Präsident, der nach wie vor seine Wahlniederlage nicht anerkennt, winkte ihnen auf dem Weg zum Golf-Club aus einem gepanzerten Fahrzeug zu. Er hatte am Vortag in Aussicht gestellt, dass er bei den Demonstranten vorbeischauen und seine Fans begrüßen könnte.

Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany sprach bei Twitter von einer Million Teilnehmer, Einschätzungen von Beobachtern und Medien reichten dagegen von einigen Tausend bis gut 10.000. Trump selbst verkündete, es seien Hunderttausende gewesen.

Proud-Boys-Chef: Keine Gewalt wegen Abwahl Trumps

Unter den Trump-Fans befanden sich laut Medienberichten auch Mitglieder der rechtsextreme US-Organisation Proud Boys. Deren Chef Enrique Tarrio versprach bei ihrem Einsatz für Trump als US-Präsidenten nicht zur Gewalt zu greifen. "Wir werden friedlich bleiben, definitiv", sagte Tarrio dem Berliner "Tagesspiegel" am Rande einer Demonstration in Washington.

Wenn sich ein Wahlsieg des Demokraten Joe Biden bestätigen sollte, würden die Proud Boys "ein Bier trinken und rausgehen, protestieren", und zwar definitiv "friedlich, aber kraftvoll", betonte der Geschäftsmann aus Florida. Seine Organisation habe jetzt 12.000 bis 15.000 Mitglieder. Werde Biden Präsident, würden die Proud Boys eine erneute Kandidatur Trumps 2024 unterstützen: "Er soll auf jeden Fall noch mal antreten, wenn er dieses Mal verliert."

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Trump: „Er hat gewonnen, weil die Wahl manipuliert war“ 

Am Sonntag kommentierte Trump unterdessen den Tweet eines TV-Moderators mit Zweifeln an Bidens Erfolg mit den Worten: "Er hat gewonnen, weil die Wahl manipuliert war."

Es war zwölf Tage nach der Wahl das erste Mal, dass Trump die Worte "er hat gewonnen" benutzte - allerdings gehen seine Klagen gegen das Wahlergebnis weiter. Trump verwies kurz darauf auf einen anstehenden Auftritt seines Anwalts Rudy Giuliani, der die Wahlfälschungen aufdecke. Wenige Stunden zuvor hatte er Guiliani das Kommando über die Klagen übertragen.

Ein Sprecher von Trumps Republikanern in Deutschland, Jeffrey Jowett, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei in mindestens fünf US-Bundesstaaten zu "offensichtlichem Wahlbetrug" gekommen. "Wir haben nie behauptet, dass die gesamte Wahl gefälscht wurde, schon kleine Veränderungen in einigen Bezirken könnten aber deutliche Effekte auf den Ausgang der Wahl haben", sagte er. Er sei offen für eine Modernisierung des Wahlrechts. Die Demokratie in den USA werde aber nicht wegen der aktuellen Spannungen Schaden nehmen.