USA: Tagelang allein – Mutter verunglückt tödlich, Junge (3) holt Hilfe für Bruder (1)

22. August 2018 - 15:20 Uhr

Junge allein am Lebensmittelladen aufgegriffen

Montagmorgen in Camden (Ouachita County, US-Bundesstaat Arkansas): Der dreijährige Kylen irrt allein und hilflos, übersät mit Kratzern, in der Nähe des Ladens Harvey's Grocery umher. Er sagt nichts, wirkt traumatisiert – nach dem, was er die letzten drei Tage durchmachen musste, ist das kein Wunder.

Noch ahnt niemand etwas von dem schlimmen Unfall

Als besorgte Passanten den Notruf wählen, ahnt noch niemand etwas von dem Martyrium, das hinter dem kleinen Kind liegt: Dass er den Auto-Unfall seiner Mutter, ein paar Hundert Meter entfernt von dem Lebensmittelladen mit der rostigen Coca-Cola-Werbung, überlebt hat. Dass dies schon am Freitag oder am Samstag passiert ist. Dass seine Mutter bei dem Unfall gestorben ist. Dass Kylen sich durch das Schiebedach den Weg nach draußen bahnen und an Büschen aus dem Graben klettern konnte. Dass sein einjähriger Bruder noch immer in dem Wrack eingeschlossen ist, in einem Kindersitz, noch immer gesichert beziehungsweise gefangen in dem Gurt, der ihm das Leben gerettet hat. Dass die Zeit gegen das kleine Kind läuft, ohne Essen, ohne Trinken, unentdeckt in einem völlig zertrümmerten Auto in einem nicht einsehbaren Graben am Highway 24.

Sheriff kümmert sich um den traumatisierten Jungen

Harvey's Grocery Store in Camden
Harvey's Grocery Store in Camden - hier wurde Kylen gefunden
© Google Street View

Sheriff Nathan Greeley von der Polizei in Camden wird später am Tag von einem Wunder sprechen, doch noch rätselt er, welche Geschichte ihm der kleine Junge, der traumatisiert vor ihm steht, erzählen würde, wenn er nur könnte. Also kümmert sich Greeley erstmal um den Jungen, lässt ihm ein Bad ein, gibt ihm was zu essen und frische Klamotten. Anschließend bringt er eine Beschreibung des Jungen in Umlauf. Wenig später meldet sich eine Verwandte, berichtet von dem einjährigen Bruder und gibt an, dass die Mutter, Lisa Holliman, schon seit Donnerstag von niemanden mehr gesehen worden ist.

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Verwandter erkennt den Jungen

Greeley wird die Dramatik der Situation schnell klar: Die Mutter länger nicht gesehen, seit sie vor ein paar Tagen mit dem Auto einkaufen war, der einjährige Junge ebenfalls, die Verletzungen des Dreijährigen. Die Polizei macht sich sofort am Highway 24 auf die Suche, Stück für Stück nehmen sie die Straße unter die Lupe, klingeln an den Türen der spärlich an der Straße verteilten Häuser. Bis sie schließlich das Wrack in einem tiefen Graben neben der Straße entdecken.

Für die 25-jährige Lisa Holliman kommt jede Hilfe zu spät, sie wurde beim Unfall aus dem Auto katapultiert und liegt tot ein paar Meter von dem Auto entfernt. Aber der kleine Junge im Kindersitz auf der Rückbank ist noch am Leben, er ist sogar wach – unglaublich. Vor allem auch wegen der Bedingungen in den letzten Tagen: Hitze und Sturm. "Sie sind zweifellos durch die Hölle gegangen", sagt Greeley später dem Sender KARK.

Für seinen Großvater ist Kylen ein Held

Neben ein paar Kratzern waren die beiden Jungen stark, aber nicht lebensgefährlich dehydriert. Für James Holliman, Lisas Vater, ist sein Enkel Kylen ein Held – wie er es geschafft hat aus dem Wagen zu entkommen, den knapp halben Kilometer zurück nach Camden zu laufen und so seinen kleinen Bruder zu retten. Doch trotz dieses Wunders ist Holliman am Boden zerstört, denn seine Tochter hat er für immer verloren. Und – obwohl die beiden Jungen überlebt haben – hat er auch einen Enkel verloren. Einen Enkel, den er nie kennen lernen durfte: Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass Lisa in der vierten Woche schwanger war.