Die angebliche Begründung: Weil sie einen schlechten Tag hatte

Stiefgroßmutter taucht Füße einer Zweijährigen in kochend heißes Wasser

26. August 2019 - 10:21 Uhr

Als Strafe tauchte die Stiefgroßmutter Kaylees Füße in heißes Wasser

Diese Bilder sind so furchtbar, dass man kaum hinsehen mag: Die kleinen Füße sind von furchtbaren Verbrennungen übersät. Riesige gelbe Blasen von den Knöcheln bis zu den Zehen. Unvorstellbar, dass jemand so etwas einem anderen Menschen antun kann - noch dazu einem kleinen Kind. In diesem Fall war es die eigene Stiefgroßmutter, die der zweijährigen Kaylee Robinson diese furchtbaren Verletzungen zufügte. Und das Unfassbare: Es geschah keineswegs aus Versehen.

„Ich konnte Kaylee im Hintergrund schreien hören“

Der Vorfall ereignete sich am 11. August, als Kaylee von ihrer Stiefgroßmutter Jennifer Vaughn in ihrem Haus in Chattanooga in Tennessee (USA) babygesittet wurde. Während die Mutter der Zweijährigen, Brittany Smith, mit Ihrem Verlobten Kyle Vaughn und ihren anderen Kindern zum Schwimmen gehen wollte, sollte die kleine Kaylee bei ihrer Stiefoma bleiben. Eigentlich kein Problem: Jennifer Vaughn hatte schon häufiger auf das kleine Mädchen aufgepasst und es hatte immer gut geklappt. Doch kurz nachdem sie das Haus verlassen hatte, erreichte Brittany Smith der schrecklichen Anruf:

​"Ich konnte Kaylee im Hintergrund schreien hören", erinnert sich Brittany Smith gegenüber dem britischen Nachrichtenmagazin Metro. Die Stiefgroßmutter sagte lediglich, Brittany solle schnell nach Hause kommen, es sei etwas passiert. Eilig kehrte sie nach Hause zurück und fand ihre kleine Tochter vor, die noch immer bitterlich schrie und weinte. Vor Schmerzen, wie sich herausstellte. Zunächst behauptete Jennifer, sie habe Kaylee alleine in der Badewanne gelassen. Später gab sie zu, die Füße der kleinen Kaylee in heißes Wasser getaucht zu haben. Das kleine Mädchen habe sich daneben benommen und sie habe es bestrafen wollen.

"Sie habe einen schlechten Tag gehabt", begründete Jennifer Vaughn ihre grausame Tat offenbar gegenüber Brittany Smith, wie diese dem amerikanischen Fernsehsender ABC 2 mitteilte.

"Eine der schlimmsten Verbrennungen, die ich je gesehen habe“

Die Verbrennungen des kleinen Mädchens sind offenbar so schlimm, dass selbst erfahrene Experten schockiert sind: Rocky Potter, Kriminalbeamter des Sheriffs von Rhea County, hat den schrecklichen Fall bearbeitet. "Als ich sie sah, war es einfach eine der schlimmsten Verbrennungen, die ich je gesehen habe", so Potter gegenüber ABC2. Das Krankenhaus, in dem die kleine Kaylee zunächst behandelt wurde, bezeichnete die Verletzungen als sogenannte "Sockenbrände", da sie so aussehen, als ob das kleine Mädchen ein rosa Paar Socken trägt. 

Jennifer Vaughn wurde nun wegen schwerer Kindesmißhandlung angeklagt. Gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 150.000 Dollar (rund 135.000 Euro) darf sie bis zur Verhandlung das Gefängnis verlassen.

Die kleine Kaylee wird mittlerweile in einem Verbrennungszentrum in Georgia behandelt. Um die medizinischen Kosten für Kaylee zu decken, wurde eine GoFundMe-Spendenkampagne für sie eingerichtet.

Was bringt einen Menschen dazu, ein Kind so zu quälen?

Häufig sind eine große Hilflosigkeit und Überforderung der Grund für körperliche Gewalt gegen Kinder, erklärt Diplom-Psychologe Dirk Baumeister. Und auch die Lebensgeschichte der misshandelnden Erwachsenden spielt oft eine große Rolle: "Wurde ich in der Kindheit geschlagen und habe gelernt, dass körperliche Gewalt ein Erziehungsmittel sein kann, so wirkt sich diese Erfahrung auch auf mein Erziehungsverhalten gegenüber Kindern aus", erklärt der Fachmann. 

Auch ein niedriger Bildungsstand, Armut, psychosozialer Stress, akute psychische Probleme oder Abhängigkeiten beziehungsweise Sucht sind mögliche Ursachen für die körperliche Misshandlung von Kindern. Vor allem ist es aber eine Überforderung mit der aktuellen Situation, da ist sich der Psychologe sicher. "Dann nervt das Kind, vielleicht schreit oder zappelt es, und ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Dann bin ich gestresst und ich reagiere über. Und es kommt zu einer Kurzschlussreaktion."

Kaylees Mutter Brittany Smith fordert nun Gerechtigkeit: "Es gibt nichts, das eine Zweijährige tun kann, egal wie frech sie ist, das so ein Verhalten rechtfertigt", sagt sie gegenüber Metro. "Wenn es nach mir ginge, würde sie als Strafe das bekommen, was sie meiner Tochter angetan hat."