2018 M09 14 - 15:52 Uhr

Schule in Georgia greift zu überholten Methoden

In einer Schule im US-Bundesstaat Georgia soll es bald wieder eine Tracht Prügel setzen, sobald sich eine Schülerin oder ein Schüler unzüchtig verhalten hat. Was an überholte Lehrmaßnahmen des 20. Jahrhunderts erinnert, meint der Dekan der "Schule für Innovation und Klassisches" ganz ernst.

Prügelstrafe in 19 US-Staaten erlaubt

Im Detail soll die Strafe so aussehen, dass die Schülerin oder der Schüler beim dritten Vergehen in ein Büro zitiert werde und die Lehrerin oder der Lehrer hinter verschlossener Tür mit dem Holzpaddel auf die Hand des Kindes schlägt - maximal dreimal. Begleitet werden soll das Ganze von einem erwachsenen Zeugen, lautet es in dem besagten Formular, das derzeit weltweite Aufmerksamkeit auf die Schule zieht, die es erst seit 2015 gibt.

Tatsächlich ist die Prügelstrafe noch in 19 US-Bundesstaaten erlaubt, darunter sind neben Georgia ebenfalls Alabama, Florida und Texas. Informationen des "Guardian" zufolge ist das Vorgehen jedoch in Mississippi am meisten verbreitet, weil jedes zweite Kind an einer Schule angemeldet ist, die physische Strafen erlauben.

"Tatzen" in Deutschland seit 1973 verboten

Während Züchtigungen wie die mit dem Holzpaddel, genannt auch "Tatzen", in den USA in der Sklaverei ihre Entstehung finden, werden ähnliche Herangehensweisen in Europa auf das alte Rom zurückgeführt wo Privatschüler so gemaßregelt werden sollten. Hierzulande haben Lehrer bis zur zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vor allem den "Rohrstock" eingesetzt, um ihre Schüler zu bestrafen, oder sie geohrfeigt. Bundesweit wurde das sogenannte "Züchtungsrecht für Lehrer" im Jahr 1973 abgeschafft, in den einzelnen Bundesländern variiert das Verbotsjahr von 1969 bis 1983. Auch in Deutschlands Nachbarländern ist die Tracht Prügel längst nicht mehr erlaubt, beispielsweise darf in Österreich seit 1986 kein Lineal mehr angesetzt werden.

Vor zwei Jahren gab es in den USA eine merkliche Initiative gegen Prügelstrafen in Schulen. 100 Organisationen wie die "National Education Association" oder die "American Federation of Teachers" haben dafür eine Petition unterschrieben, um die US-Gesetzesmacher auf diesen Missstand hinzuweisen.

Nicht umsonst zitiert der Professor für Psychologie Manfred Tücke in seinem Buch "Psychologie in der Schule - Psychologie für die Schule" einen Experten für Gewalt mit dem Tenor, dass Prügelstrafen im Schulalltag automatisch die Vernachlässigung der Bedürfnisse der Kinder bedeute sowie mit Erziehung oder Verständnis nichts zu tun hätten.