Im Video: Krawalle und Verhaftungen bei Protesten gegen Rassismus

Polizist kniete auf George Floyds Hals: Seine Frau reicht jetzt die Scheidung ein

01. Juni 2020 - 9:31 Uhr

Ehefrau des Ex-Polizisten ist entsetzt über die Bilder des Polizeieinsatzes

Die Bilder des brutalen Polizeieinsatzes in Minneapolis, bei dem ein 46-Jährige Afroamerikaner starb, gingen um die Welt. Einer der daran beteiligten Polizisten kniete minutenlang auf George Floyds Hals, während der um sein Leben flehte. Dieser Polizist wurde inzwischen entlassen und gegen ihn wird wegen Mordes ermittelt. Jetzt reichte seine Ehefrau die Scheidung ein, wie US-Medien berichten.

"Sie ist entsetzt über Mr. Floyds Tod", zitierte der Lokalsender CBS Minnesota den Anwalt der Frau. "Sie hat größtes Mitgefühl mit seiner Familie und seinen Lieben und mit allen anderen, die um ihn trauern." Darum habe sie die Auflösung der Ehe mit den Ex-Polizisten beantragt.

Situation in Minneapolis spitzt sich zu

George Floyd starb vermutlich an den Folgen des brutalen Polizeieinsatzes. Sein Tod löste eine Welle der Proteste in den USA aus und nicht alle Demonstranten machen ihrem Ärger friedlich Luft. In mehreren US-Städten kam es zu Ausschreitungen und Festnahmen, Häuser brannten und Geschäfte wurden geplündert.

In Minneapolis, wo Floyd am Montag ums Leben gekommen war, gingen Demonstranten trotz Ausgangssperre die vierte Nacht in Folge auf die Straße. Minnesotas Gouverneur Tim Walz sprach am Samstag von einer "unglaublich gefährlichen Situation". US-Präsident Donald Trump bot dem Bundesstaat Minnesota jetzt sogar die Hilfe der Streitkräfte an. Die Soldaten stünden bereit und könnten "sehr schnell" vor Ort sein, sagte Trump.

Im Video: So erlebt RTL-Reporter Oliver Beckmeier die Situation vor Ort

Örtliche Reporter berichteten in der Nacht zu Samstag, weder Soldaten noch Polizisten seien in Minneapolis zu sehen gewesen. Walz räumte ein, die Sicherheitskräfte seien angesichts des Ausmaßes der gewaltsamen Proteste überfordert gewesen. Walz, Frey und der Bürgermeister von St. Paul, Melvin Carter, erklärten übereinstimmend, die meisten der Demonstranten, die jetzt wichtige Infrastruktur zerstörten, seien Unruhestifter von außerhalb der Region. Wie RTL-Reporter Oliver Beckmeier die Situation vor Ort erlebt – in unserem Video.

Demonstrant und Nationalgardist stehen sich gegenüber
Der Tod von George Floyd löste wütende Proteste in den USA aus.
© AP, John Minchillo, JM

Demonstranten fordern Gerechtigkeit für George Floyd

Auch in New York gingen mehrere Tausend Menschen gegen Rassismus auf die Straße. In der Nacht kam es dabei in den Stadtteilen Manhattan und Brooklyn zu Ausschreitungen und Festnahmen. Auf beiden Seiten soll es Verletzte gegeben haben. Viele Demonstranten trugen Plakate mit der Aufschrift "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen"), was Floyd gesagt hatte, kurz bevor er das Bewusstsein verlor.

Im Haftbefehl gegen den Polizisten heißt es unter anderem, der Gerichtsmediziner gehe nach vorläufigen Erkenntnissen nicht von Ersticken aus. Der 46-Jährige habe an Gesundheitsproblemen gelitten, die gemeinsam mit der Festsetzung und möglichen Rauschmitteln im Blut vermutlich zum Tod geführt hätten. In den letzten zwei Minuten und 53 Sekunden habe er keine Lebenszeichen mehr gezeigt. Die Anwälte der Familie Floyd meldeten jedoch Zweifel an den Ergebnissen dieser Analyse an. Sie wollten eine unabhängige Obduktion in Auftrag geben.