Das Kind hatte keine Krankenversicherung

Lehrerin will krankem Schüler helfen - und wird verhaftet!

04. Dezember 2019 - 17:36 Uhr

Die Lehrerin sorgte sich um einen kranken Schüler

Lehrerin Casey Smitherman aus dem US-Bundesstaat Indiana wollte nur einem kranken Kind in der Not helfen und wurde deshalb verhaftet. Ein US-Gericht hat sie gleich wegen drei Vergehen verurteilt. Jetzt muss sie mit den Konsequenzen leben. 

"Es ging mir nur um die Gesundheit des Kindes"

"Ich weiß, dass die Aktion falsch war. Es ging mir in dem Moment aber nur um die Gesundheit des Kindes", erklärte Casey Smitherman vor Gericht. Die Lehrerin einer Schule in Elwood im US-Bundesstaat Indiana wurde zu einem Jahr Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 500 US-Dollar verurteilt, weil sie für einen Schüler unter falschen Angaben Medikamente erschummelt hat. Der Richter sprach sie wegen Dienstvergehen, Versicherungs- und Identitätsbetrug für schuldig.

Wie die Frau für den hilflosen Jungen gelogen hat und sich damit selbst in Schwierigkeiten brachte, sehen Sie im Video.

Akt der Freundlichkeit brachte sie selbst in Not

Einer eidesstattlichen Erklärung zufolge, die Smitherman dem Richter übergab, ereignete sich der Vorfall am 9. Januar. Der 15-jährige Schüler soll an dem Tag nicht zum Unterricht erschienen sein, worauf sich die Lehrerin Sorgen machte und beim Jungen zu Hause anrief. Er erklärte ihr, dass er krank sei und starke Halsschmerzen habe. "Über das Telefon konnte ich feststellen, dass er Symptome einer Halsentzündung hat", sagt Smitherman dem Sender "ABC News". Als Mutter wisse sie, wie schlimm so etwas sein kann.

Smitherman fuhr nach dem Unterricht zu dem Jungen nach Hause und fuhr ihn anschließend direkt in eine Klinik. "Dort wollte man ihn aber nicht behandeln, weil er nicht versichert war", sagte die Lehrerin. Schließlich fuhr sie mit dem kranken Kind in ein zweites Krankenhaus, wo sie lügen musste, damit sich jemand um den Teenager kümmert.

Junge lebt in ärmlichen Verhältnisse

Die Lehrerin kennt den Schüler offenbar schon lange und weiß, dass er in sehr ärmlichen Verhältnissen lebt. Wie Smitherman erklärt, wohnt der 15-Jährige bei einem älteren Verwandten, der kein Auto besitzt. Sie habe der Familie schon öfter mit Kleidung, Essen und Wohnungsgeld geholfen. Das Jugendamt wollte sie aber nicht informieren, aus Angst, er könnte in einem Pflegeheim landen, so Smitherman.

Für Staatsanwalt Rodney Cummings aus Madison County handelt es sich bei dem Fall um eine klare Straftat: "Sie hat versucht etwas Gutes zu tun, es war aber dennoch falsch", sagt er vor Gericht. Sie habe den Schülern damit gezeigt, dass es in Ordnung ist, unehrlich zu sein und etwas Gesetzeswidriges zu tun. "Das ist besorgniserregend", so Cummings.

Die Leitung der Schule sieht das allerdings anders und stellt sich hinter die Lehrerin. "Sie hat einen unglücklichen Fehler gemacht. Aber wir verstehen, dass es ihr nur um das Wohlergehen des Kindes ging", sagte der Schulvorstand Brent Kane. Die Schule werde sie trotz der Verurteilung weiterhin unterstützen. 

mo