Deutscher kommt nach 33 Jahren aus US-Haft frei

Jens Söring: Ich nahm aus Liebe die Schuld auf mich

27. November 2019 - 18:54 Uhr

"Die Liebe gab es nicht"

Weil er die Eltern seiner Freundin umgebracht haben soll, saß Jens Söring 33 Jahre lang im US-Knast. Nun kommt der Deutsche überraschend frei. Die Tat bestreitet Söring bis heute. Zunächst hatte er allerdings gestanden - und das Geständnis später widerrufen. Er habe aus Liebe die Schuld auf sich genommen, begründete Söring sein Verhalten. Im Video offenbart der heute 53-Jährige seine spätere Erkenntnis: "Ich habe mein Leben zerstört, weil ich dachte, dass es sich um Liebe drehte. Aber die Liebe gab es nicht."

Jens Söring kommt auf Bewährung frei

Jens Söring in einer Szene aus dem Dokumentarfilm "Das Versprechen - Erste Liebe lebenslänglich".
Jens Söring in einer Szene aus dem Dokumentarfilm "Das Versprechen - Erste Liebe lebenslänglich". Der Film basiert ausschließlich auf realen Ereignissen.
© deutsche presse agentur

Jens Söring war 1990 wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985 zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. In der Nacht zum Montag entschied das zuständige Gremium im US-Bundesstaat Virginia, den Diplomatensohn auf Bewährung freizulassen und abzuschieben, wie US-Medien unter Berufung auf das Büro des Gouverneurs des Bundesstaats, Ralph Northam, berichteten.

Deutsche Botschaft spricht mit US-Behörden.

Das Buckingham Correctional Center im US-Bundesstaat Virginia
Das Buckingham Correctional Center im US-Bundesstaat Virginia - in diesem Gefängnis saß Jens Söring.

Söring soll den Angaben zufolge der Einwanderungsbehörde ICE übergeben und mit einem Wiedereinreiseverbot für die USA belegt werden. Wann das passieren wird und ob er nach Deutschland zurückkehrt, ließ das Auswärtige Amt zunächst offen.

Inzwischen hat die Deutsche Botschaft Gespräche mit US-Behörden aufgenommen. "Unsere Botschaft betreut Söring weiterhin konsularisch und steht bezüglich weiterer Schritte in engem Kontakt mit dem Rechtsanwalt sowie Behörden vor Ort", hieß es am Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Brutaler Doppelmord in Virginia

Jens Söring während eines Interviews im Gefängnis
Jens Söring während eines Interviews im Gefängnis.
© dpa, Steve Helber, SH lop

Der brutale Doppelmord hatte in den USA und international viel Aufmerksamkeit erregt. In der Kleinstadt Lynchburg (Virginia) waren 1985 Haysoms Eltern erstochen worden. Als die Tochter und Söring in Verdacht gerieten, entschloss sich das Paar zur Flucht. 1986 wurden Söring und Haysom in London gefasst und in die USA ausgeliefert. Haysom wurde wegen Anstiftung zum Mord zu zweimal 45 Jahren Haft verurteilt. Auch die inzwischen 55 Jahre alte Kanadierin wird nun freigelassen und abgeschoben.

Söring hatte die Morde damals gestanden, später das Geständnis aber widerrufen. Er hatte erklärt, er habe lediglich seine Freundin vor der Todesstrafe bewahren wollen. Der Dokumentarfilm "Das Versprechen" von 2016 rekonstruierte den tragischen Fall. Auch darin beteuerte Söring seine Unschuld. Eine Begnadigung nach 30 Jahren hatte Virginias Gouverneur Ralph Northam abgelehnt.

Quelle: dpa/RTL.de