Spenderorgan war infiziert

Frau stirbt nach Lungentransplantation an Corona

Eine Frau aus den USA starb zwei Monate nach einer Lungentransplantation an Corona (Symbolbild).
© dpa, Jan-Peter Kasper

23. Februar 2021 - 15:42 Uhr

Corona-Tests waren negativ

Eine Organspende sollte ihr ein neues Leben ermöglichen. Doch zwei Monate nach der Lungentransplantation war eine Frau aus dem US-Bundesstaat Michigan tot. Sie starb, weil die transplantierte Lunge mit Corona infiziert war. Tests vor dem Eingriff waren negativ.

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Wohl erste Corona-Übertragung durch Organspende in den USA

Es könnte sich um den ersten nachgewiesenen Fall in den USA handeln, bei dem durch eine Organtransplantation das Coronavirus übertragen wurde. Das erklärten Forscher in einem vom "American Journal of Transplantation" veröffentlichten Bericht. Im Jahr 2020 wurden in den USA fast 40.000 Organe transplantiert.

Der Patientin, die unter einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) litt, wurden im Herbst zwei Lungenflügel von einer Spenderin transplantiert. Der Eingriff fand am Universitätsklinikum in Ann Arbor statt, wie NBC berichtet. Die Lunge stammten von einer Frau, die nach einer schweren Hirnverletzung bei einem Autounfall gestorben war.

Zustand der Patientin verschlechterte sich

Illustration des Coronavirus
Alle vor der Transplantation durchgeführten Corona-Tests waren negativ.
© imago images/CHROMORANGE, CHROMORANGE / Knut Niehus via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Vor der Lungentransplantation wurden Corona-Tests durchgeführt: Alle beim Organspender und Empfänger entnommenen Nasen- und Rachenproben waren negativ. "Wir haben sämtliche Untersuchungen, die wir sonst auch durchführen und durchführen können, auch hier vorgenommen", erklärte Transplantationsexperte Dr. Daniel Kaul von der Uni Michigan. "Wäre ein Corona-Test positiv gewesen, hätten wir die Lunge natürlich nicht genommen."

Doch drei Tage nach der Operation bekam die Frau Fieber. Ihr Blutdruck sank, und sie bekam Atemprobleme. Die Ärzte erkannten Anzeichen einer Lungeninfektion. Als sich ihr Zustand weiter verschlechterte, wurde die Patientin auf Corona getestet: Die Proben aus ihrer neuen Lunge waren positiv.

Auch Chirurg positiv auf Corona getestet

Noch einmal nahmen sich die Ärzte die Proben aus Nase und Rachen der Spenderin vor, und sie waren erneut negativ. Eine Flüssigkeitsprobe aus ihrer Lunge allerdings ergab ein positives Ergebnis.

Vier Tage nach der Transplantation wurde auch der Chirurg, der den Eingriff durchgeführt hatte, positiv getestet. Eine Untersuchung ergab, dass die Organempfängerin und der Chirurg vom Spender infiziert worden waren. Zehn weitere Mitglieder des Transplantationsteams wurden negativ auf das Virus getestet.

Die Patientin starb 61 Tage nach der Operation. Dr. Kaul spricht von einem "tragischen Fall". Er zeige, dass vor einer Transplantation ausreichend Proben aus dem Organ entnommen werden müssten. Vor allem in Gebieten, in denen das Coronavirus stark verbreitet sei.

Video: Organspende in Deutschland nach wie vor nur mit Zustimmung

Organspende in Deutschland: Negativer Corona-Test Voraussetzung

In Deutschland wird nach Angaben der "Deutsche Stiftung Organtransplantation" (DSO) bei allen potentiellen Organspendern eine sorgfältige Krankengeschichte erhoben, "insbesondere nach Aufenthalten in Covid-19-Risikogebieten (gemäß Vorgabe des RKI)". Außerdem muss ein Corona-Test durchgeführt werden – ein negatives Ergebnis ist Voraussetzung für eine Organspende.

"Dieses Vorgehen entspricht den internationalen Empfehlungen und ist mit der Deutschen Transplantationsgesellschaft abgestimmt", heißt es. Die Entscheidung über die Transplantation erfolge immer "unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko für den Empfänger". Dabei werde auch das Risiko einer möglichen Covid-19-Infektion nach der Transplantation berücksichtigt.