USA: Ebola-Infizierte reiste kurz vor dem Ausbruch mit dem Flugzeug

16. Oktober 2014 - 16:47 Uhr

Suche nach den Passagieren läuft

Die zweite in den USA mit Ebola angesteckte Krankenschwester ist einen Tag vor dem Ausbruch noch mit einem Passagierflugzeug gereist. Nun sucht die Gesundheitsbehörde vorsichtshalber nach den anderen 132 Passagieren.

Ebola: Infizierte Krankenschwester reist mit Flugzeug
Die mit Ebola infizierte Krankenschwester reiste kurz vor dem Ausbruch mit einer Maschine der Frontier Airlines. (Archivfoto)
© REUTERS, RICK WILKING

Nur wenige Stunden bevor die Krankenschwester Fieber bekam und positiv auf Ebola getestet wurde, saß sie an Bord des Fluges 1143 der Linie Frontier Airlines. Am Abend des 13. Oktober reiste sie mit der Maschine von Cleveland (Ohio) nach Dallas (Texas). Mit ihr an Bord: 132 Menschen. Die US-Gesundheitsbehörde will nun zu allen Kontakt aufnehmen. Die Personen, die besonders gefährdet für eine Ansteckung seien, würden dann beobachtet, hieß es.

Normalerweise sind Ebola-Infizierte während der Inkubationszeit - also bis zum Ausbruch der Krankheit - nicht ansteckend. Wegen der kurzen Zeitspanne zwischen Flug und dem einsetzenden Fieber ordnete die Gesundheitsbehörde die Maßnahme aber an. Die Krankenschwester habe nach Angaben der Flugbegleiter während des Fluges allerdings keine Symptome gezeigt.

Die Pflegerin gehörte zu den Betreuern von Thomas Eric Duncan, der sich in Liberia infiziert hatte und am Mittwoch vergangener Woche in einem Krankenhaus in Dallas gestorben war. Bereits zuvor hatte sich eine weitere Krankenschwester bei der Betreuung des Mannes infiziert. Dies war der erste Fall einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung innerhalb der USA. Nach Angaben der Klinik hatte sie die vorgeschriebene Schutzkleidung aus Anzug, Handschuhen, Brille und Gesichtsmaske getragen. Ersten Vermutungen zufolge könnte sie sich beim Abnehmen der Maske angesteckt haben.

Ebola-Überlebende sollen Seuche bekämpfen

Unterdessen wächst in den USA die Kritik an den Vorbereitungen des Gesundheitssystems des Landes auf mögliche Ebola-Patienten. Hunderte Krankenschwestern und Pfleger hätten sich beschwert, dass ihre Krankenhäuser nicht ausreichend auf Ebola vorbereitet seien, teilte der Krankenpfleger-Verband National Nurses United (NNU) mit, dem mehr als 4.000 Pfleger angehörten. Zudem seien zahlreiche Beschwerden laut geworden, dass Schwestern und Pfleger nicht ausreichend geschult würden.

Der Chef der US-Seuchenbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention), Tom Frieden, hatte bereits am Sonntag davor gewarnt, dass der Infektion der Krankenschwester weitere Fälle folgen könnten. Sie sei sofort isoliert und zu Kontakten befragt worden. Alle Menschen, mit denen sie in Verbindung gewesen sei, stünden unter Beobachtung.

In einer Video-Konferenz berieten US-Präsident Barack Obama, der französische Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premierminister David Cameron und der italienische Ministerpräsidenten Matteo Renzi über die Lage. Sie sprachen sich gemeinsam dafür aus, die internationale Gemeinschaft bei der Unterstützung der betroffenen Länder zu mobilisieren. Dies solle in enger Abstimmung zwischen Vereinten Nationen, Europäischer Union, Weltgesundheitsorganisation WHO und betroffenen Ländern erfolgen, teilte der Élyséepalast in Paris nach dem Schaltgespräch mit.

Hochrangige Vertreter der EU-Staaten wollen heute in Brüssel über bessere Abstimmungen bei Vorkehrungen gegen Ebola beraten. Auch Tausende Menschen in Westafrika, die Ebola überlebt und jetzt gegen das Virus immun sind, sollen im Kampf gegen die Seuche helfen. Entsprechende Pläne werden bei der ersten Konferenz von Ebola-Überlebenden erörtert, die an diesem Donnerstag und Freitag mit Unterstützung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) in Sierra Leone stattfindet.

Unicef geht davon aus, dass in den nächsten sechs Monaten bis zu 2.500 Überlebende für Aufgaben zur Bekämpfung der Seuche ausgebildet werden könnten.

Die WHO hatte zuvor eine neue Prognose veröffentlicht. Sie erwartet bis Dezember pro Woche zwischen 5.000 und 10.000 neue Ebola-Fälle in Westafrika. Fast 9.000 Menschen sind nach WHO-Angaben mittlerweile an Ebola erkrankt. Die Zahl der Todesfälle ist auf 4.493 gestiegen, die Dunkelziffer dürfte jedoch deutlich höher liegen.