Kinder müssen sich auf heißen Asphalt legen

Polizei legt Mädchen (12 und 17) in Handschellen - wegen angeblich gestohlenem Auto

US-Polizei legt Kindern Handschellen an Brutales vorgehen gegen afro-amerikanische Familie
01:11 min
Brutales vorgehen gegen afro-amerikanische Familie
US-Polizei legt Kindern Handschellen an

30 weitere Videos

Mädelsausflug wird zum Albtraum

Was ein schöner Mädels-Tag im Nagelstudio werden sollte, endet für Brittney Gilliam und ihre Familie aus Aurora in den USA in einem traumatischen Erlebnis: Weil die Polizei ihr Auto für gestohlen hält, werden Brittneys Nichten und ihre Tochter gezwungen, sich bei brütender Hitze bäuchlings auf den Asphalt zu legen – zwei der Mädchen werden sogar in Handschellen gelegt. Der Vorfall hat eine erneute Debatte um Polizeigewalt und den Umgang mit Schwarzen in den USA ausgelöst. Das verstörende Video des Vorfalls, das auf Twitter veröffentlicht wurde, wurde bereits millionenfach gesehen und geteilt – wir zeigen es oben.

US-Polizei zwingt Mädchen, sich auf den heißen Asphalt zu legen

Im Video sind vier Mädchen zu sehen, wie sie weinend und schreiend neben einem Auto auf dem Boden liegen. Alle vier liegen auf dem Bauch, zwei sind mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Das jüngste Kind ist erst sechs Jahre alt, das älteste 17. Um die Mädchen herum stehen insgesamt fünf Polizisten. Erst nach über einer Minute fragt einer der Polizisten, ob er den Mädchen helfen kann.

Brutaler Polizeieinsatz wegen eines Missverständnisses

Brittney Gilliam, Fahrerin des Wagens, sagte dem Fernsehsender „KUSA“, dass sie mit ihrer Schwester, ihren Nichten und ihrer Tochter am Sonntag zum Nagelsalon gefahren sei – der Tag sei als Mädels-Tag geplant gewesen. Am Nagelsalon angekommen hätten sie aber feststellen müssen, dass er geschlossen war. Also seien sie zurück ins Auto gestiegen, als plötzlich die Polizisten auftauchten und das Auto mit gezogener Waffe umstellten.

Laut der Behörde fiel das Fahrzeug auf, weil es auf die Beschreibung eines als gestohlen gemeldeten Autos passte – auch das Kennzeichen sei dasselbe gewesen. Darum hätten die Polizisten eingegriffen. Später stellt sich heraus: Brittneys Wagen war tatsächlich gestohlen worden – allerdings bereits vor einigen Monaten. Das angeblich gestohlene Kennzeichen war identisch mit einem Motorrad, dass allerdings aus einem anderen Bundesstaat stammt.

Polizeichefin entschuldigt sich für Vorfall

Dass ihre Nichten und ihre Tochter gezwungen wurden, sich auf den Boden zu legen, schockiert sie immer noch. „Es gibt keine Entschuldigung, warum die Polizei die Sache so gehandhabt hat. Sie hätten sagen können: Geht zur Seite, wir müssen mit eurer Mutter und eurer Tante etwas klären.‘ Es gab andere Wege, den Vorfall zu regeln“, so Brittney.

Die Polizeichefin der Stadt Aurora hat sich inzwischen auf Twitter für den Vorfall und das Verhalten der Beamten entschuldigt – jedoch nicht, ohne sich zu rechtfertigen. Einen Wagen mit vorgehaltener Waffe zu umstellen gehöre in einem solchen Fall zu den vorgeschriebenen Maßnahmen, schreibt Vanessa Wilson in dem Statement. Sie habe die Familie aber angerufen, um sich zu entschuldigen. „Ich habe jede Hilfe angeboten, die wir leisten können, vor allem für die Kinder, die eventuell durch den Vorfall traumatisiert wurden“, heißt es weiter.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

"Wen kann ich anrufen, wenn mein Leben in Gefahr ist?“

Brittney Gilliam und ihre Familie haben sich nun eine Anwältin genommen. Sie fordern Konsequenzen für das Verhalten der Beamten. Die 14-jährige Nichte von Brittney sagte „KUSA“, dass sie das Vertrauen in die Behörde verloren habe. „Es ist, als würde es sie nicht interessieren. Wen kann ich anrufen, wenn mein Leben in Gefahr ist?“

Protesters gather at the scene where George Floyd, an unarmed black man, was pinned down by a police officer kneeling on his neck before later dying in hospital in Minneapolis, Minnesota, U.S. May 26, 2020. REUTERS/Eric Miller     TPX IMAGES OF THE D
Seit Wochen gibt es Proteste gegen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in der USA.
CLH/EM/DH, REUTERS, ERIC MILLER

Nicht der erste Vorfall dieser Art in Aurora

Das brutale Vorgehen ist einer von vielen öffentlich gewordenen Fällen von unverhältnismäßiger Polizeigewalt in den USA – gerade gegen Schwarze. Nach dem Mord an dem Afroamerikaer George Floyd durch mehrere US-Polizisten in Minnesota rollte eine Welle des Protests unter dem Motto „Black Lives Matter“ über die ganze Welt. Auch in Aurora ist es nicht der erste Fall: Vor genau einem Jahr starb dort der schwarze Student Elijah McClain, nachdem Beamte einen Würgegriff gegen ihn eingesetzt und ihm ein starken Betäubungsmittel verabreicht hatten.