US-Wahlkampf in 140 Zeichen: Heiße Debatten per Twitter

Das Auf und Ab der Meinungen analysiert ein spezieller Twitter-Index.
© dpa, Soeren Stache

07. November 2012 - 4:57 Uhr

Obama hat im Twitter-Wahlkampf die Nase vorn

In der heißen Phase vom US-Wahlkampf war Twitter eine wichtige Plattform. In den maximal 140 Zeichen langen Einwürfen wogte die Debatte besonders heftig hin und her. US-Präsident Barack Obama und Herausvorderer Mitt Romney nutzten den Internet-Dienst um ihre Anhänger zur Wahl zu mobilisieren. Aber nicht jede Äußerung auf Twitter gibt die authentische Meinung einer bestimmten Person wieder - im Kampf um die öffentliche Meinung im Netz mischen auch sogenannte U-Boote und Roboter mit.

"Die wichtigste Wahlkampffunktion von Twitter besteht darin, die Botschaft zu den Anhängern zu bringen und das Bewusstsein für politische Fragen zu stärken", erklärt die Politikwissenschaftlerin Jennifer Ramos von der katholischen Universität Loyola Marymount in Los Angeles. In beiden Lagern werde die Bedeutung der Sozialen Medien im Internet sehr hoch bewertet. "Aber Obama scheint in dieser Hinsicht zu führen."

Bestätigt wird dies vom 'Twitter Political Index', mit dem der Betreiber des Dienstes die täglich rund 300.000 Tweets zum Wahlkampf analysiert. Positive und negative Äußerungen zu den beiden Kandidaten Barack Obama und Mitt Romney werden auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet.

Es sei interessant, dass beide Kandidaten die meiste Zeit auf Twitter eher schlecht bewertet würden, sagt Ramos, die sich schon lange mit der Politik im Netz beschäftigt. Dies entspreche der allgemeinen Wahlkampfstimmung in den USA. Auch gebe es Hinweise, dass der Twitter-Index mit der Entwicklung der Meinungsumfragen übereinstimme.

Twitter-Gefecht mit scharfer Klinge geführt

Als Amtsinhaber mit internationaler Reichweite hat Obama eine ungleich höhere Zahl von Personen, die ihm auf Twitter folgen: 21,7 Millionen verglichen mit gut 1,6 Millionen Followern für den Republikaner Romney. Obama ist schon seit dem 5. März 2007 als Twitter-Nutzer registriert und hat vier Mal so viele Tweets abgesetzt wie der Herausforderer. Unter '@BarackObama' attackierte Obama Romney auch direkt. Die heftigeren Twitter-Attacken aber überließ der Staatsmann anderen Akteuren wie dem 'TruthTeam2012', das von seinem Wahlkampfteam betrieben wird. Dieses stellte Romney gern als ruchlosen Geschäftemacher während seiner Zeit bei der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital dar. In die gleiche Kerbe haut der Twitter-Account 'MittRmoney' - das Hintergrundfoto des Profils zeigt Romney inmitten von Dollarscheinen.

"Mein Taxi-Fahrer hat mich gerade gefragt, warum Mitt Romney ein Bankkonto in der Schweiz hat", ließ Jen Psaki ihre Follower wissen und fügte vieldeutig hinzu: "Gute Frage." Die Pressesprecherin des Wahlkampfteams von Präsident Barack Obama baut auf den Erfahrungen vor vier Jahren auf. Damals war Obama auch deswegen erfolgreich, weil er Twitter konsequenter genutzt hat als seine politischen Gegner - erst bei der Kandidatenkür innerhalb der eigenen Demokratischen Partei, dann gegen den Republikaner John McCain.

Diesmal wollte Romney dagegen halten. Er zeigte sich auf Twitter besorgt über die schwächelnde Wirtschaft, hielt die Religionsfreiheit und den amerikanischen Pioniergeist hoch: "Sagt Barack Obama, dass hart arbeitende Einzelpersonen erfolgreiche Unternehmen schaffen, nicht die Regierung", schrieb '@MittRomney'. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts ist aber erst seit dem 23. Juni 2009 bei Twitter dabei - und für Twitter-Veteranen damit ein Frischling.

Die Wahlen in den USA sind das bisher meistdiskutierte politische Ereignis im Internet-Dienst Twitter: Der Betreiber zählte am Dienstag mehr als 20 Millionen Äußerungen zum Rennen zwischen Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney sowie den weiteren Abstimmungen.

Kurz vor Schließung der Wahllokale twitterte Amtsinhaber Barack Obama einen letzten Wahlkampfaufruf: "Lasst uns das jetzt gewinnen!" - von seinen Anhängern wurde das mehr als 4.000 Mal als 'Favorit' markiert und rund 19.000 Mal weiterverbreitet. Deutlich weniger Resonanz fand sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney mit einem Foto bei seiner Stimmabgabe und der Feststellung: "Das war's, stellt sicher, dass ihr heute wählt."

Der Wahlkampf auf Twitter ist auch deswegen interessant, weil er anders als die TV-Kampagne grundsätzlich kostenlos ist. Weil so viel auf dem Spiel steht, ist aber auch daraus schon ein Geschäft geworden. So bietet die Firma 140Elect einen sehr speziellen Beratungsdienst für Politiker: "Wir gestalten einen maßgeschneiderten Twitter-Wahlkampf, der Ihren Account größer macht, Ihre Anhänger aktiviert, Gegner attackiert und Spenden einbringt." Das 'Twitter Campaign Account Building', also der Baukasten für den Twitter-Wahlkampf, kostet rund 2.000 Dollar (1.620 Euro) im Monat.