5400 wahlberechtigte Amerikaner fiebern in Niedersachsen mit

US-Wahl: Wie beeinflusst das Ergebnis unsere Wirtschaft im Norden?

Präsidentschaftswahl in den USA
Präsidentschaftswahl in den USA
© dpa, Kay Nietfeld, nie cul

03. November 2020 - 17:55 Uhr

Biden oder Trump?

Die ganze Welt spricht seit Monaten über nichts anderes. Wer wird der neue US-Präsident: Donald Trump oder Joe Biden? In wenige Stunden ist die Stimmabgabe abgeschlossen. Auch in Deutschland fiebern 141.000 US-Wahlberechtigte auf das Ergebnis hin, 5400 davon allein in Niedersachsen. Ein Trump-Anhänger und eine leidenschaftliche Biden-Befürworterin aus Niedersachsen erzählen uns, warum ihr Favoriten-Kandidat gewinnen soll. Und obwohl die Wahl im Land der unbegrenzten Möglichkeiten spielt und damit eigentlich ganz weit weg von uns, kann die Entscheidung wirtschaftliche Folgen für uns im Norden mit sich ziehen.

"America First!"

Benjamin Wolfmeier ist in Neustadt am Rübenberge als Sohn einer US-Amerikanerin und eines Deutschen Vaters aufgewachsen. Heute lebt der 43-Jährige in Hannover und für ihn gibt es die Nacht nur einen Gewinner: Donald Trump. "Er muss wiedergewählt werden, um die Wirtschaft so wieder auf den Vordermann zu kriegen, dass wir vor Corona sind. Und das kann meiner Überzeugung nach wirklich nur Donald Trump schaffen", sagt der Republikaner Befürworter. In seinen Augen hat der amtierende Präsident in den letzten vier Jahren alles richtig gemacht – auch im Umgang mit der Corona-Pandemie.

Bei vielen öffentlichen Auftritten lehnt Trump das Tragen einer Maske für sich selbst ab. Sollte aber der Präsident nicht als Vorbild dienen, vor allem in so schweren Zeiten? "Ich finde, dass muss immer noch seine persönliche Freiheit sein, wie er mit der Maske umgeht. Und das würde ich mir eigentlich auch in Deutschland so wünschen, dass das jeder für sich entscheiden kann", sagt Benjamin Wolfmeier.

Von den Vorwürfen, Donald Trump sei sexistisch und rassistisch, hält der 43-Jährige nichts. "Der Rassismus Vorwurf ist Schwachsinn", sagt er wie aus der Pistole geschossen. "Es gibt keinen Präsidenten seit Kennedy Johnson (1961-1963), der so viel für die Afro-Amerikaner und Hispanics getan hat. Sei es bei der Wirtschaft: Die niedrigste Arbeitslosigkeit, die es für diese Gruppen jemals gab. Höchster Beschäftigungsstand, die Kluft zwischen Weiß und Schwarz bei der Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand. Die Justizreform, es sind so wenig Schwarze im Gefängnissen wie seit 31 Jahren nicht mehr", sagt der in Deutschland lebende Amerikaner.

Außerdem sei die USA schon immer gespalten gewesen, nicht erst durch Donald Trump. "Die politische Klasse ist vor allem sehr gespalten. Und da würde ich mir schon wünschen, dass man nach der Wahl zusammenkommt, um für das Volk zu arbeiten". Ein derart gespaltenes Land findet Benjamin Wolfmeier tendenziell aber besser "als in Deutschland, wo ja inzwischen SPD und CDU gar nicht mehr auseinanderzuhalten sind, das ist alle so ein warmer Pudding".

"Wir brauchen Veränderung!"

Jennifer von Estorff sieht das gänzlich anders. Ursprünglich kommt die Frau aus Texas. Mittlerweile lebt sie seit 20 Jahren in Deutschland und engagiert sich bei Democrats abroad in Germany. Für sie steht fest: "Wir brauchen Veränderung und das geht nur, wenn die Leute wählen gehen". Damit meint sie Joe Bidden. "Biden ist ein Mensch, der sich nicht in den Vordergrund stellt, der zuhört, ein Mensch mit Herz. Er schaut, wo kann ich die Welt verbessern, was brauchen die Menschen. So einen Menschen brauchen wir. Es muss kein Show-Master sein." Die Frau ärgert es am meisten, dass Trump seine Versprechen nicht einhalte und aktuell die Corona-Pandemie nicht ernst nehme. "Er sagt immer "we are just about to turn the corner" meint so viel wie "es wird besser, es ist gleich vorbei", schildert von Estorff "und jetzt hat die USA über 200.000 Tote zu beklagen". Außerdem sei er ein schlechtes Vorbild, denn er höre nicht auf die Wissenschaftler und trage keine Maske. "Wir müssen das gemeinsam durchstehen und das kann man nicht wenn man die ganze Zeit sagt, das Virus wird von alleine weggehen". 

Über Benjamin Wolfmeiers Aussage "Der Rassismus-Vorwurf ist Schwachsinn", lacht Jennifer von Estorff nur. Sie erinnert sich an Trumps ersten Wahlkampf als er die Mexikaner ständig beleidigt habe. Als er nichts für die Einigkeit im Land getan habe, sondern Angst geschürt und die Menschen auseinandergerissen habe. "Das was er tut ist Angst und Haas zu entfachen", sagt die leidenschaftliche Demokratin.

In einem Punkt stimmt Jennifer dem Trump-Anhänger Wolfmeier aber auch teilweise zu. "Eine Spaltung hat es in der USA immer gegeben. Es gibt Menschen mit polarisierenden Meinungen, aber das kann unser Land auch vertragen. Aber was wir nicht brauchen ist jemand, der Hetze betreibt, der Leuten Angst einflösst, der Haasparolen verbreitet".

"Wenn Trump gewählt wird, ist das für viele Unternehmen eine absolute Katastrophe!"

Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel
Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel
© RTL Nord

Im vergangenen Jahr importierte Niedersachsen US-amerikanische Waren im Wert von 4,1 Milliarden Euro und lieferte heimische Waren in einem Wert von 6,2 Milliarden Euro in die USA. Für alle Unternehmen im Norden, die stark vom Export in die USA abhängig sind, könnte es bei einer Wiederwahl von Trump keine rosige Zeiten geben. Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel spricht in dem Fall von einer "Katastrophe!". "Weil er geht nicht von internationaler Zusammenarbeit aus, sondern von einem egozentrischen, protektonischen, nationalistischen – im Grunde genommen einem America First." Gemäß dem politischen Slogan "Amerika zuerst" regiert der amtierende Präsident den Kontinenten und das auch ohne Rücksicht auf Verluste. Bereits in der Vergangenheit mussten Unternehmen im Norden für Trumps Maßnahmen zahlen. "Die Salzgitter AG war betroffen von den protektonistischen Maßnahmen, nämlich als Trump einfach auf Stahl aus Niedersachsen Zölle erhöht hat", erzählt Rudolf Hickel. Er fürchtet, dass  solche Maßnahmen in Zukunft zunehmen könnten. 

"Wenn Biden gewählt wird, wird sich nicht so schnell was ändern", sagt der Wirtschaftswissenschaftler, "weil Biden muss erst den Müll wegräumen, den Trump hinterlassen hat. Aber es wird dann wieder zu einer integrativen Zusammenarbeit in weltwirtschaftlichen Organisationen führen und dann wird sich insgesamt die Lage der Unternehmen in Deutschland verbessern. Dann sind wieder mittelfristige und kalkulierbare Geschäftsmöglichkeiten gegeben".

Sechsstündige RTL - Sondersendung zur Wahlnacht

Das Ergebnis wird weltweit mit Spannung erwartet. RTL begleitet die Wahlnacht heute Nacht ab drei Uhr live mit einer Sondersendung.