Noch sind nicht alle Stimmen gezählt

Joe Biden: Ein weiterer Staat könnte jetzt reichen

Democratic presidential candidate Joe Biden announced today that he has chosen Sen. Kamala Harris, D-Calif., as his run
© imago images/UPI Photo, KAMALA HARRIS via www.imago-images.de, www.imago-images.de

05. November 2020 - 13:41 Uhr

Trump wird nicht kampflos aufgeben

In den USA fehlt Trump-Herausforderer Joe Biden nicht mehr viel zu einem Sieg. Der Erfolg in einem weiteren Bundesstaat könnte reichen. Doch Amtsinhaber Donald Trump macht deutlich, dass er nicht kampflos aufgeben wird.

Joe Biden steht nach einer beispiellosen Zitterpartie kurz vor dem Einzug ins Weiße Haus. Dem demokratischen Herausforderer von Präsident Donald Trump fehlen nur noch wenige Stimmen zur erforderlichen Mehrheit von 270 Wahlleuten. Entscheidend ist nun, wem es gelingt, die letzten noch offenen Bundesstaaten zu holen. Amtsinhaber Trump, der sich in der Wahlnacht vorzeitig bereits selbst zum Sieger erklärt hatte, hat ebenfalls noch Chancen. In mehreren Staaten schickte er Anwälte mit Klagen vor, um eine Niederlage auf juristischem Weg zu verhindern.

Aktuelle Infos und News zur US-Wahl  – in unserem Liveticker

Ein Überblick über die offenen Staaten

In unserer Live-Wahlkarte können Sie immer den aktuellen Stand sehen.

Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AP und des TV-Senders Fox News hat Biden bereits 264 Wahlleute sicher. Er bräuchte also nur noch einen einzigen Bundesstaat, um zu gewinnen. Andere Medien wie der Sender CNN und die "New York Times" sahen Biden erst bei 253 Stimmen. Grund dafür ist, dass sie den Staat Arizona noch nicht für entschieden halten.

  • ARIZONA (11 Stimmen):

AP und Fox hatten den Staat recht früh in der Wahlnacht bereits Biden zugeschlagen. CNN berichtete am Donnerstag jedoch, dass Trump im Laufe der Auszählung aufholen konnte. Die Stimmung in Arizona war gespannt. Vor einem Behördengebäude, wo Stimmen ausgezählt werden, versammelte sich in der Nacht zum Donnerstag eine große Gruppe von Trump-Anhängern. Mehrere hatten nach einem CNN-Bericht Waffen dabei.

  • NEVADA (6 Stimmen):

Der Staat im Westen könnte die Entscheidung bringen. Biden hielt in der Nacht zum Donnerstag eine knappe Führung. Holt er sowohl Arizona als auch Nevada, hätte er genau 270 Stimmen. Neue Zahlen werden gegen 18 Uhr MEZ erwartet.

  • PENNSYLVANIA (20 Stimmen):

In dem Staat im Nordosten führte Trump zunächst klar. Biden holte aber auf, je mehr Briefwahlstimmen ausgezählt wurden. Bei den Briefwählern in Pennsylvania schnitt der Demokrat nach den bisherigen Ergebnissen enorm besser ab als der amtierende Präsident von den Republikanern. Dies könnte den Umschwung bringen. Mit einem Ergebnis wird hier erst am Freitag gerechnet.

  • GEORGIA (16 Stimmen):

In dem Südost-Staat lag Trump anfangs ebenfalls klar vorn. Bis in die Nacht zum Donnerstag schrumpfte der Vorsprung aber deutlich zusammen. Aus dem Großraum um die Hauptstadt Atlanta standen noch Stimmen aus - traditionell eher demokratisches Gebiet. Es könnte also sehr knapp werden. Gegen 16.30 Uhr MEZ wollen die Behörden ein Update geben.

  • NORTH CAROLINA (15 Stimmen):

Auch in dem Ostküsten-Staat wurde es eng. Trump galt auch in der Nacht zum Donnerstag noch als leichter Favorit. Besonderheit: In North Carolina werden sogar noch Briefwahl-Stimmen gezählt, die bis zum 12. November eingehen - also neun Tage nach dem Wahltag.

Gegen die Briefwahl machte Trump schon den gesamten Wahlkampf über Stimmung. Inzwischen geht er in verschiedenen Bundesstaaten gegen die Auszählung juristisch vor. In Pennsylvania zum Beispiel will er verhindern lassen, dass Stimmen gültig sind, die bis Freitag ankommen. Vor der Wahl hatte das Oberste Gericht der USA die Regelung zugelassen. Drei Konservative unter den insgesamt neun Richtern zeigten sich aber offen dafür, das Thema noch einmal aufzugreifen.

Worauf kommt es im Wahl-Krimi an?

Unser Reporter Gordian Fritz ist in New York und er erklärt im Video, worauf es nun in diesem Wahl-Krimi ankommt und welche Wahl-Szenarien es im Moment gibt.

Biden vorsichtig optimistisch: „Glauben wir, dass wir die Gewinner sein werden“

Biden selbst sah sich vor Trump. "Jetzt, nach einer langen Nacht des Zählens ist es klar, dass wir genug Staaten gewinnen, um 270 Wahlstimmen zu erreichen, die erforderlich sind, um die Präsidentschaft zu gewinnen", sagte er am Mittwoch in Wilmington (Delaware).

Der Republikaner Trump hatte sich in der Wahlnacht zum Mittwoch selbst vorzeitig zum Sieger erklärt und angekündigt, seinen Anspruch vor das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten zu bringen.

Biden betonte, dass er den Sieg noch nicht offiziell für sich reklamieren wolle. Doch wenn die Auszählung beendet sei, "glauben wir, dass wir die Gewinner sein werden". Er sagte, dass Amerika die tiefe Spaltung überwinden müsse. "Um Fortschritte zu machen, müssen wir aufhören, unsere Gegner wie Feinde zu behandeln", sagte Biden. "Wir sind keine Feinde."

Im Laufe des Tages setzte Trump mehrere Tweets ab, in denen er über die Stimmauszählung schimpfte. Sein am Dienstagabend noch bestehender Vorsprung sei in einem Bundesstaat nach dem anderen "auf magische Weise verschwunden", schrieb er etwa. Im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania werde "hart daran gearbeitet", schnell eine halbe Million Stimmen "verschwinden zu lassen", schrieb er an anderer Stelle. Twitter versah mehrere Nachrichten mit Warnhinweisen wegen "möglicherweise irreführender" Aussagen. Biden bekräftigte: "Wir ruhen nicht, ehe nicht jede Stimme gezählt ist."

Noch mehr Videos aus der spannenden Welt der Politik

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, Einblicke ins In-und Ausland, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

TVNOW-Doku: Trump oder Biden - der Kampf ums Weiße Haus

US-Präsident Donald Trump liebt Twitter. Über das Soziale Netzwerk wendet er sich unmittelbar an seine Wähler, versucht, klare Worte zu finden, und sorgt damit so manches Mal auch für Irritationen. Welche Rolle spielt Twitter in seinem Amt wirklich? Was bezweckt er mit seinen Tweets? Die Dokumentation geht dieser Frage auf den Grund und zeigt, wie schon Präsidenten vor ihm die Kraft der Medien zu nutzen wussten.

So funktioniert die US-Wahl

Swing States  – was genau ist das? Und wie funktioniert das Wahl-System in den USA? Im Video erklären wir es einfach, kurz und knapp.