US-Stadt Kenosha brennt - Jacob Blake (29) vermutlich gelähmt

Nach Polizei-Schüssen auf Schwarzen: Mutter fordert Ende des Rassismus

Blakes Mutter ruft zu Ruhe und friedlichen Protesten auf: „Niemand ist überlegen.“
Blakes Mutter ruft zu Ruhe und friedlichen Protesten auf: „Niemand ist überlegen.“
© REUTERS, STEPHEN MATUREN, CLH/SM/

26. August 2020 - 7:40 Uhr

Mutter von Jacob Blake: „Niemand ist überlegen“

Jacob Blake (29) wird in Kenosha im US-Staat Wisconsin von einem Polizisten sieben Mal in den Rücken geschossen, als er in sein Auto steigen will. Er wird schwer verletzt und nach Angaben seiner Familie und Anwälte vermutlich gelähmt bleiben. Noch immer ist nicht klar, wieso die Schüsse gefallen sind. Doch der Vorfall wirbelt die USA erneut auf. Die Proteste in Kenosha reißen auch den dritten Tag in Folge nicht ab. Nun ruft Blakes Mutter zu Ruhe und friedlichen Protesten auf: "Niemand ist überlegen."

Vater: „Er schoss sieben Mal auf meinen Sohn, sieben Mal!“

Letetra Wideman and Zanetia Blake, sisters of Jacob Blake, a Black man who was shot several times in the back by a police officer, embrace during a news conference outside the Kenosha County Courthouse in Kenosha, Wisconsin, U.S. August 25, 2020. REU
Harte Worte kamen auch von Blakes Schwester Letetra Widman: „Ich bin nicht traurig. Ich bin wütend und erschöpft."
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"Ich wende mich an alle, egal ob weiß, schwarz, japanisch, rot, braun. Niemand ist dem anderen überlegen", sagte Julia Jackson am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Stadt Kenosha. Sie sprach sich gegen gewaltsame Proteste aus, nachdem in der Stadt zwei Nächte in Folge Gebäude und Autos gebrannt hatten. Sie habe "viele Schäden" gesehen, so Jackson. Diese Vorfälle spiegelten "nicht das wider, was mein Sohn und meine Familie sind", sagt sie unter Tränen, "wenn Jacob wüsste, was an Gewalt und Zerstörung passiert, wäre er sehr unerfreut."

"Er schoss sieben Mal auf meinen Sohn, sieben Mal!", sagte Jacob Blake Senior. "Als wäre er nichts wert. Aber er ist ein Menschen und er ist etwas wert." Harte Worte kamen auch von Blakes Schwester Letetra Widman: "Ich bin nicht traurig. Ich bin wütend und erschöpft. Ich habe nicht geweint. Ich habe vor Jahren aufgehört, zu weinen. Ich sehe seit Jahren, wie die Polizei Menschen, die wie ich aussehen, ermordet." Sie wolle kein Mitleid: "Ich will Wandel."

Donald Trump: „Beenden Sie das Problem schnell!“

 United States President Donald J. Trump arrives to a news conference in the James S. Brady Press Briefing Room at the White House in Washington D.C., U.S., on Sunday, August 23, 2020. Trump announced that a new treatment for COVID-19, which uses blo
„Beenden Sie das Problem schnell!“, forderte Donald Trump.
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Der Gouverneur von Wisconsin, der Demokrat Tony Evers, rief nach den Ausschreitungen den Notstand aus und ordnete eine verstärkte Präsenz der Nationalgarde in der Stadt an. Zugleich stand er unter verstärktem Druck aus Washington, die Situation unter Kontrolle zu bringen. "Vergangene Nacht war es nicht genug", sagte der amtierende Vize-Heimatschutzminister Ken Cuccinelli dem TV-Sender Fox News. "Ich stelle infrage, ob er genug unternimmt - und ausreichend schnell."

Ungeachtet der Tatsache, dass die Nationalgarde bereits im Einsatz ist, verlangte Präsident Donald Trump, sie auf die Straßen zu bringen. "Beenden Sie das Problem schnell!", forderte er Evers in einem Tweet auf. Der Gouverneur warnte die Demonstranten, dass es eine Grenze zwischen friedlichem Protest und Ausschreitungen gebe, die Familien und Geschäfte gefährdeten.

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Polizist schießt auf Blake vor den Augen seiner Kinder

Police attempt to push back protesters outside the Kenosha County Courthouse, late Monday, Aug. 24, 2020, in Kenosha, Wis. Protesters converged on the county courthouse during a second night of clashes after the police shooting of Jacob Blake a day e
Der Gouverneur von Wisconsin, der Demokrat Tony Evers, rief nach den Ausschreitungen den Notstand aus.
© AP, David Goldman, DG

Der 29-jährige Familienvater war am Sonntag in Kenosha durch Schüsse der Polizei in seinen Rücken schwer verletzt worden. Auf einem Video ist zu sehen, wie Blake zu seinem Auto geht, gefolgt von zwei Polizisten mit gezogenen Waffen. Eine der Waffen ist auf seinen Rücken gerichtet. Als Blake die Fahrertür öffnet und sich ins Auto beugt, fallen Schüsse aus nächster Nähe. Nach Angaben des Anwalts der Familie, Ben Crump, saßen in dem Auto Blakes Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren.

Blake ist nun nach Angaben der Familie von der Hüfte abwärts gelähmt. Einige Kugeln hätten die Wirbelsäule getroffen. "Es wird ein Wunder brauchen, damit er wieder laufen kann", sagte Anwalt Crumb. Blake haben auch Verletzungen in der Bauch-, Nieren und Leber-Verletzungen und ihm seien große Teile des Dickdarms und des Dünndarms entfernt worden, sagte Anwalt Patrick Salvi.

In den USA hatte der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis (Minnesota) Ende Mai landesweite Proteste ausgelöst. Die Debatte spielt auch im US-Wahlkampf eine zentrale Rolle. Die Republikanischer Partei nahm Blake in das Gebet zum Auftakt des zweiten Tags ihres Parteitags auf.