17. Mai 2019 - 11:33 Uhr

Hunderte Frauen gehen auf die Barrikaden

Jetzt ist es amtlich: Die republikanische Gouverneurin des US-Bundesstaates Alabama, Kay Ivey, hat ein Gesetz unterzeichnet, das Abtreibungen unter Strafe stellt - auch bei Vergewaltigung oder Inzest. Grund für hunderte Frauen, auf die Straße zu gehen und für ihre Rechte zu kämpfen.

Es ist das härteste Abtreibungsgesetz der USA

HANDOUT - 15.05.2019, USA, Montgomery: Dieses vom Alabama Governor's Office zur Verfügung gestellte Foto zeigt Kay Ivey, Gouverneurin des US-Bundesstaates Alabama, die ein Gesetz zum Abtreibungsverbot unterzeichnet. Das Gesetz verbietet Abtreibungen
Hier unterzeichnet Kay Ivey, die republikanische Gouverneurin von Alabama, das umstrittene Gesetz.
© dpa, Hal Yeager, jr pat

Jegliche Schwangerschaftsabbrüche sind in dem Bundesstaat im Süden der USA künftig illegal und werden unter Strafe gestellt. Die Frauen selbst bleiben straffrei, doch die Ärzte riskieren bis zu 99 Jahre Haft, wenn sie einen Eingriff vornehmen. Allein für den Versuch einer Abtreibung sind zehn Jahre Haft vorgesehen. Eine Ausnahme gibt es in dem Gesetz: Wenn das Leben der Mutter durch die Schwangerschaft akut gefährdet ist, darf sie abgebrochen werden.

Konservative Republikaner verfolgen ein Ziel

14.05.2019, USA, Montgomery: Die als Magd verkleidete Margeaux Hartline protestiert während einer Kundgebung gegen ein Abtreibungsgesetz vor dem Alabama State House. Der Senat von Alabama hat ein Gesetz verabschiedet, das Abtreibungen in dem US-Bunde
Hunderte Frauen haben vor dem Senat in Montgomery gegen das Gesetz demonstriert.
© dpa, Mickey Welsh, mew pat

Hunderte Frauen protestierten in den vergangenen Tagen vor dem Parlament in Alabamas Hauptstadt Montgomery. Auf ihren Plakaten standen Sätze wie "Abtreibung ist ein Menschenrecht" und "Beschützt die Rechte der Frau". Der Senat winkte die kontroverse Vorlage, die meist arme und schwarze Frauen trifft, trotzdem durch - dank einer Mehrheit von 25 männlichen Republikanern.

Das Gesetz wird aber aller Voraussicht nach nicht in Kraft treten, weil es gegen die bisherige Rechtsprechung des höchsten US-Gerichts verstößt. Doch genau darauf zielen die Abtreibungsgegner ab. Sie hoffen darauf, dass das höchste Gericht das landesweite Verfassungsrecht auf Abtreibung, das in den USA seit 1973 besteht, ganz kippt. Die meisten Richter sind nämlich konservativ. Diese Mehrheit hat US-Präsident Donald Trump durch die Ernennung von zwei Richtern etabliert.

"Ist das Baby im Bauch eine Person?"

Ausgerechnet eine Frau brachte das umstrittene Gesetz in Alabama auf den Weg, die republikanische Abgeordnete Terri Collins. "Ist das Baby im Bauch eine Person? Nach den Rechten in Alabama ist es eine Person. Das ist das, was wir glauben, deshalb wurde auch darüber abgestimmt", sagte sie laut der "Washington Post".

Im Senat gibt es aber auch Stimmen, die gegen das Gesetz sind. "Ich entschuldige mich bei allen Frauen in Alabama für dieses veraltete Gesetz, dass wir verabschiedet haben. Und dafür, dass sie in einem Staat leben, der es Frauen vorschreibt, nach einer Vergewaltigung ein Kind neun Monate lang austragen zu müssen", sagte der demokratische Abgeordnete Bobby Singleton.