US-Politikerin Victoria Nuland schimpft: "Fuck the EU"

07. Februar 2014 - 19:27 Uhr

Beziehungen bereits belastet

Geht man so mit Freunden um? Die US-Diplomatin und im US-Außenministerium für Europafragen zuständige Abteilungsleiterin Victoria Nuland erlangt mit einem YouTube-Clip nun noch ein bisschen mehr Berühmtheit als ihr lieb sein dürfte. Darin schimpft sie: "Fuck the EU!" Nicht gerade förderlich für die sowieso schon gereizten Beziehungen zwischen den USA und der EU.

Victoria Nuland Fuck the EU
Nuland bei ihrem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.
© dpa, Pool

Laut US-Außenministeriums hat sich die Diplomatin dafür inzwischen bei ihren europäischen Partnern entschuldigt. Washington beschuldigte Russland, hinter der Veröffentlichung zu stehen. "Dies ist ein neuer Tiefstand der russischen Spionagetaktik", sagte Außenamtssprecherin Jen Psaki. Die Suche nach den Hintermännern hat indes begonnen.

Die Beziehungen zwischen den USA und Europa sind bereits wegen des Abhörskandals um den Geheimdienst NSA angespannt. Das 'F-Wort' gilt in den USA als streng tabu.

Keine Zweifel an der Echtheit

Die Äußerung fiel in einem vertraulichen Telefongespräch Nulands vor einigen Tagen mit dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, in dem es über Lösungsansätze zur Beilegung der Krise in der früheren Sowjetrepublik ging. Nuland begrüßte es, dass sich auch die Vereinten Nationen in den innerukrainischen Konflikt einschalten. "Das wäre großartig." Sie "könnten helfen, diese Sache zu Ende zu bringen". Dann fielen die abfälligen Worte in Richtung Europa: "Fuck the EU."

Das US-Außenministerium zweifelt nicht an der Echtheit des Mitschnitts. "Ich sage nicht, dass dies nicht authentisch ist. Ich meine, dabei sollten wir es belassen", sagte Psaki.

Zugleich kritisierte Nuland die Rolle des ukrainischen Oppositionspolitikers und Ex-Boxweltmeisters Vitali Klitschko. "Ich glaube nicht, dass Klitschko in die Regierung soll. Ich glaube, das ist nicht notwendig. Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist."

Nuland hält sich derzeit in Kiew auf, wo sie gestern mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch sprach. Dieser deutete neue Zugeständnisse in Richtung Opposition an. Der Staatschef sei ein "Anhänger" einer baldigen Verfassungsänderung, betonte die Präsidialkanzlei nach dem Treffen Janukowitschs mit Nuland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit deutlicher Kritik auf die verbale Entgleisung eagiert. Sie halte die Äußerung für "absolut unakzeptabel", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton mache hervorragende Arbeit, und die EU werde sich weiter bemühen, die Lage in der Ukraine zu beruhigen.

Auch die Europäische Union ist sauer. Dies geht aus einem bei Youtube veröffentlichten Ausschnitt aus einem abgehörten Telefongespräch zwischen der Generalsekretärin des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), Helga Schmid, und dem EU-Botschafter in Kiew, Jan Tombinski, hervor: "Die Amerikaner gehen ein bisschen rum und erzählen, dass wir zu weich sind, während sie stärker sind und auf Sanktionen gehen", sagte Schmid dieser Aufzeichnung zufolge, die offensichtlich am 31. Januar gemacht wurde. "Was Du wirklich wissen solltest und was uns sehr ärgert: Dass die Amerikaner wirklich rumgehen und die EU an den Pranger stellen und sagen, wir seien da zu soft." Die EU sei "überhaupt nicht soft". Sie wolle "nicht, dass Cathy (Ashton) beschädigt wird", sagte Schmid über die EU-Außenbeauftragte.

Ashton werde das Thema mit US-Außenminister John Kerry ansprechen. Sie traf Kerry am Rand der Münchner Sicherheitskonferenz. Das Vorgehen der Amerikaner sei "wirklich sehr unfair".