Alex Zverev verliert unfassbare Nervenschlacht

US Open: Dominic Thiem kürt sich zum Champion von New York

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© AP, Seth Wenig, JJ

14. September 2020 - 6:44 Uhr

Fünf-Satz-Drama im Finale der US Open

Aus der Traum vom ersten deutschen Grand-Slam-Titel seiner Karriere: Alexander Zverev hat am Sonntag im Endspiel der US Open in New York gegen den Österreicher Dominic Thiem nach einer 2:0-Satzführung noch mit 6:2, 6:4, 4:6, 3:6, 6:7 (6:8) verloren. Nach 4:01 Stunden verwandelte der Weltranglisten-Dritte seinen dritten Matchball – und war dabei mit den Kräften am Ende.

Thiem gewinnt sein viertes großes Finale

Als letzter männlicher deutscher Tennisprofi hatte Boris Becker 1996 bei den Australian Open den Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere geholt. Bislang letzter deutscher Sieger in New York bleibt Becker vor 31 Jahren.

Thiem ist damit der erste Grand-Slam-Champion seit dem Schweizer Stan Wawrinka bei den US Open 2016, der nicht Novak Djokovic, Rafael Nadal oder Roger Federer heißt. Nadal und Federer hatten in diesem Jahr auf einen Start in Flushing Meadows verzichtet, Djokovic war im Achtelfinale disqualifiziert worden, weil er eine Linienrichterin im Frust unabsichtlich mit dem Ball abgeschossen hatte.

In seinem vierten großen Finale nach den French Open 2018 und 2019 (jeweils gegen Nadal) sowie den Australian Open in diesem Jahr (Djokovic) gelang dem 27 Jahre alten Thiem der erste Grand-Slam-Turniersieg.

Zverev mit perfektem Start ins Finale

Dabei startete der Weltranglisten-Siebte Zverev im fast menschenleeren Arthur-Ashe-Stadium nahezu perfekt in das Match. Er spielte vom ersten Ballwechsel an absolut überzeugend und anfangs fast fehlerlos auf. Nach nur 30 Minuten entschied Zverev den ersten Satz für sich. Wegen der Coronavirus-Pandemie waren während des 14-tägigen Turniers keine Zuschauer zugelassen. Im zweiten Durchgang vergab Zverev beim Stand von 5:1 drei Satzbälle, beim Stand von 5:2 einen Satzball - erst den fünften nutzte er dann schließlich zum 6:4.

Thiem wirkte zeitweise gehandicapt durch eine Fußverletzung aus dem Halbfinale gegen den Russen Daniil Medwedew. Doch nur noch einen Satz vom großen Traum entfernt, wurde Zverev nun immer nervöser. Aggressivität und Selbstverständlichkeit gingen verloren, die Fehlerquote stieg. Thiem profitierte und holte sich Satz drei und vier. Beide Spieler steigerten sich jetzt deutlich und lieferten sich einen packenden Schlagabtausch. Im fünften und entscheidenden Durchgang blieb es offen bei nun teilweise spektakulären Ballwechseln - mit dem besseren Ende für Thiem im Tiebreak.

Thiem fand nach dem Finall-Krimi rührende Worte für seinen Kumpel Zverev: "Dieses Match hat mehr als einen Champion verdient und ich bin sicher, dass du diese Trophäe auch bald in die Höhe halten wirst. Danke, dass du solch ein großartiger Rivale und wirklicher Freund auf der Tour für mich warst."

So richtig konnten die lieben Worte den Deutschen jedoch zunächst nicht trösten: "Ich war super nah dran, Grand-Slam-Champion zu sein. Ich war ein paar Spiele, vielleicht ein paar Punkte weg", sagte Zverev in der Video-Pressekonferenz nach dem Match und blickte hoffnungsvoll in die Zukunft: "Ich hatte im fünften Satz viele Chancen und habe sie nicht genutzt. Aber ich bin 23 Jahre alt, ich denke nicht, dass es meine letzte Chance war. Ich glaube, dass ich eines Tages einen Grand Slam gewinnen werde", sagte Zverev.

RTL.de/dpa