Neuinfektionen in den USA hoch wie nie

US-Präsident Trump über Corona: "Virus wird irgendwann einfach verschwinden"

United States President Donald J. Trump speaks to members of the media on the South Lawn of the White House in Washingt
© imago images/UPI Photo, Stefani Reynolds via www.imago-images.de, www.imago-images.de

02. Juli 2020 - 8:09 Uhr

52.898 neue Ansteckungsfälle innerhalb von 24 Stunden

In den USA haben sich in den vergangenen Tagen so viele Menschen mit dem Corona-Virus angesteckt wie noch nie – innerhalb von 24 Stunden wurden 52.898 neue Ansteckungsfälle verzeichnet, wie die Johns-Hopkins-Universität mitteilte. Doch Präsident Donald Trump scheint das ganz locker zu nehmen. Die Wirtschaft werde sich bald wieder erholen und "das Virus wird irgendwann gewissermaßen einfach verschwinden", sagte der Republikaner am Mittwoch dem Fernsehsender Fox Business.

Mehrere US-Bundesstaaten verschärfen ihre Maßnahmen wieder

Die Demokraten werfen Trump angesichts solcher Äußerungen vor, im Kampf gegen das Coronavirus kapituliert zu haben - und das, obwohl die Pandemie in den USA zunehmend eskaliert.

Mehrere US-Bundesstaaten setzen wegen des rapiden Anstiegs der täglichen Neuinfektionen ihre Anstrengungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus fort. Kalifornien und Michigan nahmen am Mittwoch Lockerungen zurück, Pennsylvania führte eine Maskenpflicht ein.

Trump: Sehe mit Maske aus wie "Lone Ranger"

Trump machte deutlich, dass er nichts von einer landesweiten Maskenpflicht hält. Es gebe viele Orte, an denen soziale Distanz gewahrt werden könne, sagte er Fox Business. Trump wird immer wieder damit konfrontiert, dass er sich in der Öffentlichkeit nicht mit Maske zeigt und mit gutem Beispiel vorangeht. Zudem hat er bereits wieder Wahlkampfveranstaltungen abgehalten, bei denen die Zuschauer nicht verpflichtet wurden, Masken zu tragen.

Er habe keine Probleme damit, eine Maske zu tragen, sagte Trump. "Ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe", sagte er. "Es war eine dunkle, schwarze Maske und ich fand, es sah in Ordnung aus." Er habe ausgesehen wie "Lone Ranger", eine fiktive Figur, die unter anderem aus Westernfilmen bekannt ist - und eine Augenmaske trägt.

Zusammen mit dem kauzigen Komantschen Tonto (Johnny Depp, l.) begibt sich John Reid (Armie Hammer) als maskierter Lone Ranger auf die Suche nach den Mördern seines Bruders.
Trump sagt über sich selbst, mit Maske wie der "Lone Ranger" (rechts) auszusehen - der trägt den Stoff allerdings über den Augen...
© VOX / Disney Enterprises,

Aktuelle Zahlen sind höher als im April und Mai

Daten der Universität Johns Hopkins zufolge meldeten die US-Behörden zuletzt jeden Tag rund 40.000 Neuinfektionen, vor allem aus den südlichen Bundesstaaten Florida, Texas, Arizona, Georgia und Kalifornien. Die aktuellen Zahlen der Neuinfektionen sind damit höher als jene im April und im Mai, dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie. Den Daten vom Mittwoch zufolge wurden etwa am Dienstag fast 45 000 Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt wurden in den USA bereits mehr als 2,6 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 127.000 damit zusammenhängende Todesfälle erfasst.

Bald bis zu 100.000 Neuinfektionen am Tag?

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte, das Land befinde sich mittlerweile in einer anderen Situation als zu Beginn der Pandemie. Sie verwies - wie auch Trump so oft - darauf, dass mittlerweile deutlich mehr getestet werde. "Wir sind ausgestattet für das, was wir am Horizont sehen", sagte sie in einer Pressekonferenz. Einer der führenden Corona-Experten des Landes, der Immunologe Anthony Fauci, hatte am Dienstag gesagt, die USA bewegten sich in die falsche Richtung. Wenn die Situation nicht unter Kontrolle gebracht werde, könnte es bald täglich bis zu 100.000 Neuinfektionen geben.