US-Nato-Botschafter im RTL-Interview: "Russland hält sich nicht an seine Zusagen"

RTL-Interview Douglas E. Lute
US-Nato Botschafter Douglas E. Lute im RTL-Interview.

RTL-Redakteur Hero Warrings interviewt Douglas E. Lute

Der Nervenkrieg um die in der Ostukraine als Geiseln gehaltenen westlichen Militärbeobachter geht weiter. Zugleich brachten prorussische Milizen weitere Verwaltungsgebäude im Osten der Ex-Sowjetrepublik in ihre Hand. Die Führung in Kiew räumte ein, die Kontrolle über Teile der krisengeschüttelten Region verloren zu haben. RTL-Redakteur Hero Warrings hat mit US-Nato-Botschafter Douglas E. Lute über die bedrohliche Lage gesprochen.

Herr Botschafter, wie beurteilen Sie die derzeitige Situation in der Ukraine?

Douglas E. Lute: "Die Lage ist immer noch sehr instabil. Wir hoffen, dass es eine diplomatische Lösung geben kann. Aber ehrlich gesagt, die Gespräche in Genf vor ein paar Wochen waren nicht sehr erfolgreich. Besser gesagt, sie waren nur auf einer Seite erfolgreich. Die Übergangsregierung in der Ukraine hat Schritte unternommen. Wir haben keine Schritte in die richtige Richtung seitens Russlands gesehen. Wir denken, dass Russland sich nicht an seine Zusagen hält, die sie in Genf gemacht haben. Sie müssen jetzt handeln, damit wir eine diplomatische Lösung finden können."

Was muss Russland ihrer Meinung nach tun?

"Zuerst einmal sollen sie aufhören, die Leute zu unterstützen, die die östlichen Teile der Ukraine destabilisieren wollen. Das muss der erste Schritt sein. Sie sollen auch mit Russland zugewandten Menschen sprechen, um die Situation zu stabilisieren. Und am dringendsten sollen sie mit ihren Leuten vor Ort sprechen, um etwas für die gefangen gehaltenen OSZE-Mitarbeiter zu tun."

Nato steht an der Seite seiner östlichen Partner

Angesichts der Nähe zu Russland: Was würde passieren, falls Polen die Nato um Hilfe bitten würde?

"Polen gehört zu den 28 Nato-Staaten. Gemäß unserer Statuten gilt auch für Polen: Ein Angriff auf ein Land, ist auch direkt ein Angriff auf alle Nato-Mitglieder. Sie sehen heute schon viele demonstrative Aktionen, um den östlichen Partner zu versichern, dass die Nato an ihrer Seite steht. Es gibt US-Truppen in Polen, sie finden US-Truppen im Baltikum, es gibt die deutsche Marine, die in der Ostsee eine Flotte anführt. Die Nato macht also einen Schritt nach vorne, denn Länder wie Polen oder die baltischen Staaten sind sehr besorgt wegen ihrer Sicherheit. Wir sind bereit, wenn wir um Hilfe gebeten werden."

Wie gefährlich ist die Situation insgesamt, die nun entstanden ist?

"Sie ist nicht gefährlich für die Nato. Das, was wir derzeit machen, demonstriert unser politisches Engagement. Die Lage ist aber sehr instabil in der Ostukraine. Und somit ist es eine gefährliche Situation für die Menschen in der Ukraine."