US-Militär setzt Angriffe in Syrien fort - erste deutsche Waffenlieferung wird in den Irak geflogen

29. Oktober 2014 - 19:18 Uhr

US-Präsident Obama dankt Verbündeten

Die USA haben ihre Luftangriffe gegen IS-Ziele im Norden Syriens fortgesetzt. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtergruppe für Menschenrechte wurden am Mittwoch Ziele nahe der Stadt Kobani an der türkischen Grenze angegriffen. Auch in der Nacht hatten Kriegsschiffe im Persischen Golf Marschflugkörper abgefeuert. Außerdem bombardierten Kampfflugzeuge Stellungen der Islamisten. Nach US-Angaben wurde bei den Luftschlägen auch eine Al-Qaida-Zelle getroffen. US-Präsident Barack Obama bedankte sich demonstrativ bei seinen Verbündeten.

Kriegsschiffe im Persischen Golf
Von Kriegsschiffen im Persischen Golf aus feuern die USA Marschflugkörper in Richtung Irak ab.
© dpa, Mc1 Woody Shag Paschall

"Es ist eine großartige Gelegenheit für mich die Führer, Freunde und Partner aus der Region zu begrüßen und mich bei ihnen zu bedanken für ihre Teilnahme und ihren Einsatz im Kampf gegen die Extremisten", sagte er in New York. Unterstützt werden die Angriffe von Jordanien, Bahrain, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Überraschende Zustimmung für die Angriffe gibt es auch aus Syrien. "Das Regime in Damaskus hat diese Luftangriffe begrüßt", so Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier. "Ich habe den Eindruck, viele haben verstanden, dass wir der ISIS nach der Bekämpfung im Irak nicht erlauben können Rückzugsräume in Syrien zu suchen."

Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan schließt eine militärische Unterstützung seines Landes im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht mehr aus. Vor seiner Rede bei der UN-Generalversammlung in New York sagte Erdogan vor Reportern, nach seiner Rückkehr nach Ankara werde er mit der Regierung beraten, wie die Türkei das internationale Vorgehen gegen den IS unterstützen könne.

Auf die Frage eines Journalisten, ob die Unterstützung auch militärischer Art sein könnte, sagte Erdogan: "Es beinhaltet alle Arten, militärisch, politisch, alles." Zu den US-Luftangriffen auf die IS-Milizen in Syrien sagte er: "Natürlich ist dieser Schritt gegen diese Ziele, besonders gegen die Terrororganisation in der Gegend, ein Schritt, den wir für positiv halten."

Erste deutsche Waffenlieferung wird in den Irak geflogen

Deutschland stärkt die Kurden im Irak im Kampf gegen die IS-Extremisten mit dringend benötigten Waffen. Heute startet die deutsche Waffenhilfe für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Von Leipzig aus fliegt eine erste Maschine mit Panzerfäusten, Gewehren und Munition über die Hauptstadt Bagdad in das nördlich gelegene Kurdengebiet. Dort sollen die Waffen an die Peschmerga-Armee übergeben werden. Diese hält dort seit Wochen dem IS-Vormarsch stand, obwohl sie bislang schlechter ausgestattet ist als die Truppen der Extremisten, die zahlreiche Arsenale geplündert und Waffen erbeutet haben. Insgesamt werden 10.000 kurdische Kämpfer mit Waffen für 70 Millionen Euro aus Bundeswehrbeständen ausgerüstet.

Eigentlich sollten die Fallschirmjäger der Bundeswehr schon vergangene Woche in den Nordirak fliegen. Geschafft haben sie es aber nur bis Bulgarien. Ihre Transall-Maschine hatte kurz vor dem Start eine technische Panne. "Die erste Maschine Transall war nicht einsatzklar, die zweite musste gewechselt werden. So ist man jetzt mit einer dritten Maschine unterwegs. Die Maschine, die jetzt ankommen soll, ist offenbar nicht angemeldet", so der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Hans-Peter Bartels.

Nicht die einzigen Pannen, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Kopfschmerzen bereiten dürften: So ist die Hälfte aller Transall-Flugzeuge nicht einsatzfähig. An 22 Hubschraubern, die zur Piratenbekämpfung in Afrika sind, wurden Risse entdeckt. Für von der Leyen dennoch kein Grund zur Sorge: "Dass die Bundeswehr einsatzbereit ist, beweist sie täglich und weltweit in 17 Auslandseinsätzen", sagte die CDU-Frau der 'Bild'-Zeitung.

Mit dem internationalen Vorgehen gegen die Dschihadisten befasst sich am Mittwoch auch der UN-Sicherheitsrat unter Leitung von US-Präsident Barack Obama. Die Krise dürfte zudem das beherrschende Thema der am selben Tag in New York beginnenden Generaldebatte der Vollversammlung der Vereinten Nationen sein.