Darunter auch der "QAnon-Schamane"

US-Justiz: Kapitol-Angreifer wollten Politiker "gefangen nehmen und töten"

Nach Sturm auf das US-Kapitol
© dpa, Manuel Balce Ceneta, MC pat jai nwi

15. Januar 2021 - 19:13 Uhr

QAnon-Schamane Jacob Chansley festgenommen

Bei der Erstürmung des US-Kapitols am 6. Januar 2021 wollten manche Angreifer einem Justizdokument zufolge Politiker "gefangen nehmen und töten". Es gebe dafür "starke Beweise", hieß es in einem Dokument der Staatsanwaltschaft in Arizona zur Festnahme eines Verdächtigen. Es handelte sich dabei um einen als "Schamanen" bekanntgewordenen Eindringling, dessen Fotos, die ihn mit nacktem Oberkörper und mit einem Kopfschmuck aus Fell und Hörnern zeigten, um die Welt gingen. Er sollte am Freitagnachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Versuch, die "Regierung der Vereinigten Staaten zu stürzen“

Der in Arizona festgenommene Jacob Chansley, auch unter dem Namen "Jake Angeli" bekannt, soll nach Willen der Staatsanwaltschaft bis zu einem Prozess in Haft bleiben. Er sei ein aktiver Teilnehmer an einem "gewaltsamen Aufruhr" gewesen, der zum Ziel gehabt hätte, "zu versuchen, die Regierung der Vereinigten Staaten zu stürzen", hieß es in dem Dokument. Eine Woche vor der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden wächst die Sorge, dass Anhänger seines Vorgängers Anschläge planen und gewalttätige Proteste anzetteln könnten.

QAnon-Schamane soll Drohbotschaft für Mike Pence hinterlassen haben

Die Anklage wirft Chansley selbst zwar weder konkret die geplante Gefangennahme noch die Absicht zur Tötung von Politikern vor, bemerkenswert ist die Formulierung aber trotzdem. Chansley habe im Kapitol auf dem Schreibtisch von Vizepräsident Mike Pence aber eine Drohbotschaft hinterlassen, erklärte die Anklage. "Es ist nur eine Frage der Zeit, die Gerechtigkeit wird kommen", stand demnach auf dem Zettel. Bei einem Verhör habe Chansley erklärt, dies sei keine Drohung gewesen. Vertreter der Staatsanwaltschaft in Washington haben erklärt, dass für viele Verdächtige zusätzliche Anklagepunkte, die schwerwiegender und daher komplexer seien, noch vorbereitet würden.

Abgeordnete berichten von Fast-Zusammenstößen und Todesangst

US-Medien berichteten zuletzt unter Berufung auf Abgeordnete und ungenannte Beamte, dass die Eindringlinge den Parlamentariern am 6. Januar extrem nah gekommen seien. Die "Washington Post" berichtete am Freitag, dass auch Vizepräsident Mike Pence um ein Haar mit den Eindringlingen zusammengestoßen wäre. Seine Personenschützer des Secret Services hätten ihn gerade noch rechtzeitig aus dem Senat in einen sicheren Raum bringen können, hieß es weiter.

Auch die Abgeordnete der Demokraten, Alexandria Ocasio-Cortez, berichtet in einem Instagram-Livestream, dass sie bei dem Angriff Angst um ihr Leben gehabt habe. "Ich kann sagen, dass ich eine ziemlich bedrohliche Begegnung hatte, in der ich dachte, dass ich sterben würde", berichtet sie.

Quelle: dpa/RTL.de